4.3 Eine tränenreiche Vortragsreise - Mutter des Friedens - Hak Ja Han Moon - Memoiren

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- Kapitel 4 - Gottes Licht scheint auf einen dornigen Pfad -



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Eine tränenreiche Vortragsreise


„Mama, packst du schon wieder deinen Koffer?“ Ich antwortete meiner dritten Tochter, Un-jin, nicht sofort. Meine älteste Tochter, Ye-jin, die neben mir stand und mir schweigend beim Packen geholfen hatte, fragte: „Mutter, wohin gehst du diesmal?“


Das war immer das erste, was meine Kinder fragten, wenn sie sahen, dass ich einen Koffer herausholte und zu packen begann. Kleine Kinder wünschen sich, dass ihre Mutter immer in ihrer Nähe ist, mit ihnen spielt und sie umarmt. Aber weil ich in kirchliche Aktivitäten eingebunden war und dabei viele Menschen treffen und oft reisen musste, war ich häufiger von meinen Kindern getrennt als mit ihnen zusammen. Wenn ich den Koffer herausholte, um meine Sachen zu packen, signalisierte dies meinen Kindern, dass ich eine neue Mission weit weg von zuhause beginnen würde.

Reisen kann zwar angenehm sein, aber wenn es sich um eine Mission handelt, beginnen die Herausforderungen bereits mit dem Moment der Abreise. Selbst wenn man während der Reise in einem Palast wohnt, ist das Herz unruhig, da man nicht zuhause ist. Außerdem ist jeder Schritt, den man in einer öffentlichen Mission unternimmt, mit großer Verantwortung verbunden.

Nach der Heiligen Hochzeit von 1960 war ich ein Jahrzehnt lang selten zuhause, und genauso selten fühlte ich mich wirklich wohl. Ich reiste durch das ganze Land, besuchte an einem Tag ein kleines Dorf in der Nähe der Demarkationslinie zu Nordkorea, reiste an einem anderen Tag zu einem abgelegenen Inseldorf, nahm an Veranstaltungen teil und verbrachte Zeit mit den Mitgliedern. Mein Herz war nicht in der Lage, auch nur einen einzigen Tag lang zu entspannen.

Im Jahr 1969 begann mit der Fahrt über das Meer nach Japan die Zeit meiner vielen Reisen in andere Länder. Ich hatte einen sehr anspruchsvollen Terminkalender. Wenn ich in einer neuen Stadt oder einem neuen Land ankam, behandelte ich die Menschen wie meine Brüder und Schwestern und betrachtete das Land wie mein eigenes. Gleichwohl nahm ich mir die Zeit, Postkarten zu besorgen, und schrieb am Ende des Tages – oft nach Mitternacht – Briefe an meine Kinder, die sich wünschten, ich wäre zuhause. Hier ist einer von ihnen:

Lieber Hyo-jin,
ich vermisse dich und möchte dich gerne sehen. Mein Sohn, den ich immer rufe, an den ich immer denke, zu dem ich laufe und den ich umarme, mein guter, süßer, kostbarer, geliebter Sohn, den ich nie loslassen möchte, du fehlst mir.

Hyo-jin, auch wenn wir für eine Weile getrennt sind, bist du einer der glücklichen Söhne des Himmels.

Unser treuer Sohn, Hyo-jin! Unser gutherziger und kluger Hyo-jin, ich liebe dich. Ich weiß, du wirst ein treuer Sohn des Himmels, ein loyaler Sohn der Erde und des Universums werden; du wirst ein gutes Beispiel für ein treues Kind werden.

Papa und Mama sind so traurig, dass wir so sehr damit beschäftigt sind, dem Willen Gottes zu folgen, und so wenig Zeit haben, mit dir zusammen zu sein. Und doch fühlen wir uns deinetwegen so stolz und sicher. Hyo-jin, du bist anders als andere Kinder. Auch wenn du mit deinen Freunden unterwegs bist, darfst du nicht vergessen, dass du von Gott kommst, und darfst Seine Würde nicht verletzen.

Papa und Mama sind immer stolz auf dich. Wenn wir dich in naher Zukunft sehen, kannst du deinen Papa und deine Mama dann sehr überraschen? Papa und Mama haben einen großen Traum für dich. Mama freut sich darauf und betet immer dafür.

Bleib gesund. Auf Wiedersehen.

Die Tatsache, dass ich aufgrund meiner verschiedenen öffentlichen Aufgaben nicht viel gemeinsame Zeit mit meinen Kindern verbringen konnte, belastete mich immer. Trotzdem waren meine Kinder sehr reif für ihr Alter und entwickelten sich gut. Einmal wurde mein ältester Sohn Hyo-jin von einem Zeitungsreporter interviewt.

„Was respektieren Sie am meisten an Ihrer Mutter?“ Darauf antwortete Hyo-jin ohne zu zögern:

„Ich bewundere die Liebe und Ausdauer meiner Mutter, mit der sie meinen Vater umarmt und glücklich macht. Alle Mütter auf der Welt sind großartig, aber das Besondere an meiner Mutter ist, dass sie uns absolut vertraut und uns ermutigt. Ich bin tief berührt davon, wie sie das tut. Es ist wirklich erstaunlich, dass sie 14 Kinder zur Welt gebracht hat, obwohl sie so sehr mit globalen Angelegenheiten beschäftigt ist.“

Selbst an den heißesten Sommertagen steige ich nicht in ein kaltes Schwimmbecken. Das liegt daran, dass ich, wie erwähnt, viele Kinder zur Welt gebracht habe, vier davon durch Kaiserschnitt. Als ich unseren sechsten Sohn, Young-jin, zur Welt brachte, gab es Komplikationen, weil sein Kopf so groß war. Mein Mann war zu dieser Zeit in Europa. Mir wurde gesagt, dass es sowohl für die Mutter als auch für das Kind gefährlich wäre, wenn wir nicht innerhalb von 30 Minuten handeln würden. Also hatte ich keine andere Wahl, als mich einem Kaiserschnitt zu unterziehen. Wenn man einmal einen Kaiserschnitt hinter sich hat, wird es schwierig, auf natürlichem Weg zu gebären.

Deshalb betete ich inständig. Während dieses Gebets kam mir die Szene der Kreuzigung Jesu in den Sinn. Ich bewältigte den Schmerz mit dem Vorsatz, durch die Geburt neuen Lebens die Macht des Todes, die Jesus auf Golgatha umgab, zu überwinden.

Wie für alle Frauen war auch für mich die Geburt eines neuen Lebens eine Erfahrung von Himmel und Hölle. Es fiel mir nicht leicht, vier Kaiserschnitte zu haben, aber jedes Mal, wenn ich gebar, war ich bereit, mein Leben für den Willen Gottes und für das neue Leben zu geben.

* * *

So wie unser Haus lebendig wurde, als wir es mit Kindern füllten, entstanden auch neue Kirchen in Städten und Dörfern, voll von neuen Mitgliedern. Von Anfang an war es jedoch nicht unser Ziel, die größte Kirche in Korea zu haben. Unser Ziel war es vielmehr, der Welt Erlösung zu bringen als eine wahre Kirche, die alle Tränen der Menschheit abwischt. Um dieses Ziel zu erreichen, unternahm ich nach der ersten Welttournee 1969 noch weitere Weltreisen. Seit Anfang der 1990er Jahre war ich Hauptrednerin auf mehr Veranstaltungen, Versammlungen und Seminaren, als ich zählen kann. Meine Fußspuren finden sich in fast jedem Winkel der Erde, angefangen von mir nicht vertrauten Metropolen bis hin zu kleinen einfachen Dörfern, von sonnenverbrannten Wüsten bis hin zu dichten Dschungeln und atemberaubenden Bergregionen. An allen Orten warteten gesellschaftliche Randgruppen, hilflose Frauen, Kinder und Minderheiten auf mich. Und ich war gespannt darauf, ihnen zu begegnen.

Ich wusste, dass ich ihnen Seelenfrieden bieten konnte und dass jeder Schritt, den ich tat, der Sache des Friedens diente. Dieses Wissen ermöglichte es mir, jede Nacht in einem anderen Hotel in ein anderes Zimmer zurückzukehren und die Arbeit am frühen Morgen des nächsten Tages wieder aufzunehmen. Es geschah oft, dass ich in einem solchen Zimmer in einer fremden Stadt einige Stunden auf einem Stuhl schlief oder in einem Warteraum auf einem Flughafen meine Augen schloss. Manchmal kam ich in eine Stadt und verließ sie wieder, ohne meinen Koffer geöffnet zu haben. Meine Gedanken waren bei den Begegnungen mit den Menschen, die auf mich warteten.

Als ich zum ersten Mal in einer kommunistischen Nation sprach, spürte ich die Anwesenheit von vielen Geistwesen, die gegenüber den lebenden Menschen, die mich empfingen, in der Mehrzahl waren. Während die Balkan-Region in einen Krieg verwickelt war, ging ich nach Kroatien. In dem Augenblick, als ich mein Hotelzimmer betrat, wusste ich, dass es Seelen gab, die einen ungerechten, elenden Tod erlitten hatten und auf Befreiung warteten. Um sie zu befreien, betete ich die ganze Nacht hindurch.

Wenn ich nach Afrika reise, nehme ich Mittel gegen Malaria. Einmal verursachte ein falsches Rezept bei mir schwere Nebenwirkungen und ich bekam Malaria mit Schmerzen und hohem Fieber. Mein hektischer Reiseplan ließ mir keine Zeit für eine Behandlung, aber irgendwie verschwand die Krankheit dann im Laufe meiner Reise.

Im Herbst 1996 besuchte ich Bolivien, wo ich eine Erfahrung machte, die ich nicht vergessen kann. Die Hauptstadt La Paz ist mit fast 4.000 Metern Höhe die höchstgelegene Großstadt der Welt. Nicht-Einheimische leiden unweigerlich an der Höhenkrankheit. Ich sollte fast eine Stunde lang reden und hatte deshalb einen Sauerstofftank neben mir am Rednerpult. Erschwerend kam hinzu, dass das Rednerpult jedes Mal umzukippen drohte, wenn ich mich leicht anlehnte. Die einzige Lösung bestand darin, dass ein starkes junges Mitglied das Pult festhielt, während ich sprach. Die Leute waren besorgt, aber ich behielt während der ganzen Rede mein Lächeln. Mir war zwar übel und ich hatte pochende Kopfschmerzen und meine Beine zitterten, aber ich ignorierte das alles. Unter solchen Umständen – kurz vor einem Zusammenbruch – ließ ich mir nichts anmerken und machte weiter. Das Publikum war beeindruckt und die Leute machten mir Komplimente für meinen Vortrag. Einer der Würdenträger der Stadt sagte: „Sie ist wirklich eine von Gott gesandte Person.“

Die Veranstaltung war ein riesiger Erfolg und bei der Siegesfeier an jenem Abend drückte ich herzlich die Hände aller anwesenden Mitglieder. Obwohl ich erschöpft war, bewahrte ich einen hohen Geist für die kostbaren Gäste, die VIPs und die Mitglieder, die von weither gekommen waren, um mich zu treffen. Es wurde ein freudiges Ereignis, bei dem wir uns gegenseitig ermutigten. Als ich nach Hause zurückkehrte, umarmte mich mein Ehemann, der all meine Reden über das Telefon oder später über das Internet verfolgte, klopfte mir auf die Schulter und drückte seine Anerkennung aus mit den Worten: „Wo anders könnte man einen so großen Segen erhalten als durch einen derartigen Erfolg an einem Ort, der 4.000 Meter näher am Himmel liegt?“

* * *

Auf meinen Reisen überbrachte ich nicht nur das Wort Gottes, sondern führte auch Zeremonien durch, um die Seelen derer zu befreien, deren Leben geopfert worden waren. Der Sieg der Wahren Eltern auf der Erde hat die Tore der Auferstehung in der Geistigen Welt geöffnet. Die Mitglieder in Österreich führten im Frühjahr 2018 eine solche Zeremonie durch. Wenn man von Wien aus etwa zwei Stunden der Donau flussaufwärts nach Westen folgt, kommt man in den Ort Mauthausen. Inmitten der wunderschönen Landschaft befindet sich ein Besucherzentrum vor einem bedrückenden und unheimlich aussehenden Gebäude. Dieses Gebäude mit seinen hoch aufragenden Mauern aus dicken, grauen Ziegelsteinen verursacht noch immer bittere Tränen der Trauer, denn während des Zweiten Weltkriegs war es ein Konzentrationslager, in dem die Nazis Juden und viele andere gefangen hielten. Viele der fast 200.000 Menschen, die in Mauthausen inhaftiert waren, fanden hier einen elenden Tod.

Was bleibt, sind nicht nur die Relikte von vor 70 Jahren. Der Schmerz, den man dort spürt, ist das Leid der Geistwesen, die noch immer in diesem Gefängnis gefangen sind, gefangen in ihrem Groll. Sie können erst dann auferstehen, wenn die Wahren Eltern der Heilung und Hoffnung sie trösten und ihre bitteren Ressentiments und ihre Trauer lindern.

Zu der Zeremonie kam es auf folgende Weise: Ich war 2018 nach Wien gereist, um auf unserer Peace starts with Me Rally in der Wiener Stadthalle zu sprechen. Die Veranstaltung war ein großer Erfolg. Dr. Werner Fasslabend, Österreichs ehemaliger Verteidigungsminister, ein großer Staatsmann, begrüßte mich am Podium. Mehr als 10.000 Menschen hörten meine Botschaft der Hoffnung für die Zukunft und für ein Europa, das zum Wohl anderer lebt. Besonders ermutigt wurde ich durch den positiven Geist der jungen Menschen, die sich zum Frieden bekannten. Aber am nächsten Morgen beim Frühstück kamen einige unserer europäischen Leiter mit ernsten Mienen zu mir mit der Bitte, ich solle eine Befreiungszeremonie in Mauthausen erlauben. Sie hatten von meinen Befreiungsgebeten für die Opfer der Sklaverei auf der Insel Gorée im Senegal gehört und baten mich eindringlich, dieselbe himmlische Gnade auch den Opfern der Naziverfolgung zu gewähren.

Daraufhin schickte ich spezielle Vertreter zur Durchführung einer Befreiungszeremonie nach Mauthausen. Sie legten Lilien nieder, die ewige Liebe repräsentieren, sprachen besondere Gebete und öffneten damit das Tor für die Linderung des Leidens dieser gequälten Seelen. Sie beteten, dass diese Menschen, die jetzt in der Geistigen Welt leben, ihre Trauer und ihre Ressentiments loslassen können und absolut gute Geistwesen werden, die ihren Weg in das Reich des Segens und der Freude finden, das Gott für uns alle vorbereitet hat.

Es ist wichtig, Denkmäler zu errichten und die Menschen über historisches Unrecht aufzuklären. Noch wichtiger ist es jedoch, diejenigen, die vor uns hier waren und zu Unrecht leiden und sterben mussten, von der bitteren Qual und dem Zorn zu befreien, die sie noch in sich tragen.

* * *

Wohin ich auch gehe, treffe ich Menschen, die mich nicht persönlich kennen und mich doch an beiden Händen festhalten und nicht loslassen wollen. Ihre Trauer über meine Abreise hat sich tief in mein Herz eingeprägt. Viele Menschen wollen mich sehen und nachdem wir einige Zeit miteinander verbracht haben, fühlen sie eine Leere, wenn ich wieder weg bin. Das liegt daran, dass wir durch den Himmel miteinander verbunden sind. Unsere ursprünglichen Eltern haben sich vor 6.000 Jahren aus Gottes Umarmung gelöst. Der eingeborene Sohn und die eingeborene Tochter verbinden Himmel, Erde und Menschheit wieder miteinander und führen die Menschen zu einem wahren Leben. Deshalb sind Menschen oft zu Tränen gerührt, wenn sie Gottes eingeborener Tochter begegnen.

Ich bin im Lauf der Jahrzehnte hunderttausende von Kilometern gereist, um Gottes Liebe zu überbringen. Dies hat mich stets glücklich gemacht, obwohl meine Reisen meist sehr beschwerlich waren. Meine Worte und meine Fußspuren werden nie verschwinden. Jeden Tag werden sie sich vervielfältigen und Früchte tragen, die diese und die zukünftige Welt bereichern werden.




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