1.6 Helden des Alltags - Mutter des Friedens - Hak Ja Han Moon - Memoiren

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- Kapitel 1 - Mein lebenslanger Herzenswunsch -



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Helden des Alltags


Die letzten Tage des Winters können bitterkalt sein. Doch ganz gleich, wie kalt es ist, wenn der Frühling kommt und seine Wärme die Erde umhüllt, vergessen wir schnell, dass es jemals einen Winter gab. Die bittere Kälte des Winters der Menschheit schwindet und wird vergessen sein, wenn die Wärme der Himmlischen Eltern die Erde umhüllt. Wir spüren diese Wärme bei unseren üblicherweise alle zwei Jahre stattfindenden Sunhak-Friedenspreis-Veranstaltungen, wie bei der zweiten Tagung, die am 3. Februar 2017 in Seoul abgehalten wurde.


Jener sehr geschäftige Tag begann damit, dass ich hunderte von Gästen persönlich begrüßte. Diese Männer und Frauen stammten aus 80 Ländern, repräsentierten verschiedene Ethnien, sprachen viele Sprachen und folgten unterschiedlichen Glaubensrichtungen. Ich versuchte, für sie ein Umfeld zu schaffen, in dem jeder die Fremden um sich herum frei begrüßen und mit ihnen schnell Freundschaften schließen konnte.

Die Wärme des Frühlings bildete den Rahmen, in dem ich meine Gäste daran erinnerte, dass viele Menschen auf der Welt keine Freunde haben und in Hunger leben. Viele Familien wurden aus ihren Heimatländern vertrieben. Als ein Flüchtlingskind weiß ich selbst, dass es keine Worte gibt, um das Elend zu beschreiben, wenn man aufgrund der verheerenden Auswirkungen eines Kriegs aus seiner Heimat fliehen muss. Der Sunhak-Friedenspreis ist eine Initiative, durch die ich dazu aufrufen kann, Lösungen für die schmerzhafte Notlage von Flüchtlingen zu finden, um so zu verhindern, dass Lebensgrundlagen zerstört werden. Ich suche nach rechtschaffenen, möglicherweise auch weniger bekannten Pionieren des Friedens, ehre sie und ermutige sie nachdrücklich in ihren Bemühungen. Die zweiten Sunhak-
Friedenspreise, die 2017 verliehen wurden, gingen an solche Menschen. Dr. Sakena Yacoobi und Dr. Gino Strada sehen nicht unbedingt wie Berühmtheiten aus, sondern eher wie gewöhnliche Menschen.

Dr. Gino Strada, ein europäischer Gentleman mit zerzausten Haaren, stammt aus Italien. Er ist ein hervorragender Chirurg und Gründer einer internationalen medizinischen Hilfsorganisation. In den vergangenen 28 Jahren ermöglichte seine Arbeit mehr als neun Millionen Flüchtlingen und Kriegsopfern im Nahen Osten und in Afrika eine medizinische Notfallversorgung.

Dr. Sakena Yacoobi aus Afghanistan, eine mütterliche Frau mit einem sonnengegerbten Gesicht, umrahmt von einem schwarzen Hijab, hat tausenden jungen Frauen Hoffnung gegeben. Sie ist eine Pädagogin, die als „afghanische Mutter der Bildung“ bezeichnet wird. Sie arbeitet seit mehr als 20 Jahren in afghanischen Flüchtlingslagern und hilft Flüchtlingen und Vertriebenen bei der Wiedereingliederung. Sie riskiert ihr Leben, um zu unterrichten, und ermutigt die Menschen, auf eine bessere Zukunft zu hoffen, selbst angesichts enormer Hindernisse. Als Antwort auf ihre Auszeichnung schrieb mir Dr. Yacoobi in ihrer klaren Handschrift und drückte ihre tief empfundene Dankbarkeit
folgendermaßen aus:

Es ist wirklich, wirklich wunderbar! Die Auszeichnung selbst ist wirklich groß, sie ist vergleichbar mit dem Friedensnobelpreis … Mein Leben ist ständig in Gefahr. Wenn ich morgens aufstehe, weiß ich nicht, ob ich am Abend noch am Leben oder tot sein werde ... Wenn man weiß, dass jemand dich in deiner Arbeit schätzt, hilft das sehr. Außerdem möchte ich Mutter Hak Ja Han Moon sagen, dass ich ihr wirklich dankbar bin, weil sie mir Anerkennung für das gibt, was ich tue … Das bedeutet mir sehr viel.

Korea ist ein Land, das ich bewundere. Denn die Koreaner befanden sich im Krieg, haben gelitten, aber mit ihrer Entschlossenheit, harten Arbeit, Aufrichtigkeit und Weisheit haben sie in sehr kurzer Zeit viel erreicht. Ich hoffe und bete, dass mein Land sich eines Tages Ihr Land zum Vorbild nehmen kann.

Dr. Yacoobi riskiert ihr eigenes Leben und kämpft weiterhin für Frauen und Kinder. Während wir bequem zuhause sind und warme Mahlzeiten zu uns nehmen, werden viele aus ihrem Zuhause vertrieben. Entwurzelt leben sie in Schmerz und Angst, ihr Leben ist völlig zerstört. Es ist an der Zeit, diese traurigen Tragödien zu beenden.



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