Washington Monument, 1976 - Autobiografie - Sun Myung Moon - Mein Leben für den Weltfrieden

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- Kapitel 4 - Beginn unserer weltweiten Mission -



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Washington Monument, 1976


1974 und 1975 wurde ich eingeladen, auf dem Capitol Hill zu sprechen. Ich hielt eine Rede vor Mitgliedern des Repräsentantenhauses mit dem Titel „Eine Nation unter Gott“. Ich sprach zu den Kongressabgeordneten in der gleichen Weise, wie ich zu den jungen Leuten auf der Strasse gesprochen hatte. Ich sagte ihnen: „Amerika entstand durch Gottes Segen. Doch dieser Segen war nicht für Amerika allein gedacht. Amerika erhielt Gottes Segen, um ihn an die Welt weiterzugeben. Amerika muss das Prinzip dieses Segens verstehen und sich opfern, um die Welt zu retten. Damit das geschehen kann, muss es eine Wiedererweckung geben, die es Amerika erlaubt, zu seinem Gründergeist zurückzukehren. Das Christentum, das in Dutzende Glaubensrichtungen gespalten ist, muss vereinigt werden, alle Religionen absorbieren und eine neue Zukunft für die Zivilisationen der Welt öffnen.“


Ich war der erste ausländische religiöse Leiter, der von Mitgliedern des US-Kongresses eingeladen wurde zu sprechen. Nachdem ich ein zweites Mal eingeladen worden war, hatten mehr und mehr Leute Interesse daran, etwas über diesen Reverend Moon herauszufinden.


Im nächsten Jahr, am 1. Juni 1976, veranstalteten wir eine Feier im Yankee-Stadium in New York City, um an das 200-jährige Jubiläum der Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten zu erinnern. Damals konnte Amerika dieses Jubiläum nicht in Frieden feiern. Die Bedrohung durch den Kommunismus war allgegenwärtig und die jungen Leute führten ein Leben mit Drogenkonsum und sexueller Zügellosigkeit, das weit von Gottes Wünschen entfernt war. Ich fühlte, dass Amerika ernsthaft erkrankt war. Ich ging mit dem Gefühl zu der Veranstaltung, wie ein Chirurg zu sein, der im Begriff war, das kranke Herz New Yorks von einem Geschwür zu befreien.

Am Tag der Veranstaltung kam ein sintflutartiger Regen herunter und ein starker Wind fegte die Dekorationen auf dem gesamten Platz hinweg, aber niemand lief vor dem Regen davon. Die Musikgruppe begann das Lied „You are my sunshine“ (Du bist mein Sonnenschein) zu spielen und alle im Stadion fingen an mitzusingen. Obwohl sie vom Regen durchnässt waren, sangen sie ein Lied über den Sonnenschein. Mit dem Mund sangen sie über die Sonne, aber ihre Augen weinten. Es war ein Augenblick, in dem sich Regen und Tränen vermischten. Und dann geschah das Unglaubliche. Als ich auf die Bühne trat, um meine Ansprache zu halten, bahnten sich Sonnenstrahlen ihren Weg durch die Regenwolken. Es schien, als ob Gott das Singen gehört hätte.

Während meiner Schulzeit hatte ich ein wenig geboxt. Man kann einen guten Boxer mit vielen kurzen Geraden treffen und doch feststellen, dass es ihm nichts ausmacht. Wenn man ihm jedoch einen richtigen Kinnhaken verpassen kann, dann schwankt sogar der stärkste Boxer. Ich wollte Amerika einen kräftigen Kinnhaken verpassen. Ich hatte das Gefühl, dass eine noch größere Veranstaltung notwendig war als jene, die bis zu diesem Zeitpunkt stattgefunden hatten, damit den Amerikanern der Name „Sun Myung Moon“ nicht mehr aus dem Kopf gehen würde.

Das Washington Monument steht auf der National Mall mitten im Zentrum der Hauptstadt der Vereinigten Staaten. Das Monument sieht wie ein spitzer Bleistift aus und ist über 183 Meter hoch. Ein großflächiger Rasen erstreckt sich von diesem Monument bis zu dem Teich vor dem Lincoln Memorial. Ich fasste den Plan, an dieser Stelle, dem symbolischen Herzen von Amerika, eine große Veranstaltung abzuhalten.

Um dort eine Veranstaltung abzuhalten, brauchte man jedoch eine Erlaubnis von der US-Regierung und der US-Nationalpark- Polizei. Damals war ich den meisten Regierungsbeamten nicht besonders sympathisch. Ich hatte zuvor Anzeigen in Zeitungen gesetzt und das amerikanische Volk aufgerufen, dem früheren Präsidenten Richard Nixon zu vergeben, der durch die Watergate-Affäre in eine Krise geraten war. Diese Haltung war sehr unpopulär. Deshalb wurde unser Anliegen mehrmals von der US-Regierung abgewiesen. Erst 40 Tage vor dem Ereignis erhielten wir schließlich die Genehmigung.

Sogar unsere Mitglieder meinten mir gegenüber, dass unser Plan zu gewagt sei und dass wir nicht weitermachen sollten. Die National Mall, die sich um das Washington Monument herum erstreckte, war ein offener Park mitten im Stadtgebiet. Es gab nicht viele Bäume, nur eine weite Graslandschaft. Wenn nur eine kleine Gruppe käme, würde es für jedermann deutlich zu sehen sein. Man würde mehrere Hunderttausend Leute brauchen, um dieses große Gebiet zu füllen. Unsere Mitglieder wollten wissen, wie das möglich sein sollte. Vorher hatten nur zwei Personen auf der National Mall große Veranstaltungen abgehalten. Dr. Martin Luther King Jr. hatte eine Kundgebung für Bürgerrechte auf den Stufen des Lincoln Memorial veranstaltet und auch Billy Graham hatte dort eine große Versammlung abgehalten. Es war also ein Platz mit sehr viel Symbolik. Dies war der Ort, den ich herausforderte.

Ich betete unaufhörlich für diese Veranstaltung. Die Rede, die ich halten wollte, schrieb ich viermal. Eine Woche vor der Veranstaltung hatte ich noch immer gemischte Gefühle darüber, was ich in meiner Rede sagen sollte. Schließlich vollendete ich meinen Text drei Tage vor der Veranstaltung. Üblicherweise spreche ich nicht mit einem vorbereiteten Text. Dieses Mal machte ich eine Ausnahme, denn ich war in Sorge, ob es eine gute Veranstaltung werden würde. Ich wusste, dies würde eine besonders wichtige Veranstaltung werden, auch wenn ich nicht ganz sicher war, in welcher Weise.

Ich werde niemals vergessen, was an jenem 18. September 1976 geschah. Schon am frühen Morgen begannen die Leute am Washington Monument anzukommen. Um die 300.000 Menschen versammelten sich! Es war unmöglich zu sagen, wo diese Leute alle herkamen. Sie hatten die verschiedensten Haar-und Hautfarben. Alle Rassen, die Gott auf diese Erde gesandt hat, kamen an diesem Tag zusammen. Es war eine Veranstaltung von globalem Ausmaß, die keiner weiteren Beschreibung bedarf.

Ich stand vor dieser Menschenansammlung und erklärte: „Gott hat Amerika seit 200 Jahren vorbereitet. Jetzt ist die Zeit für einen Aufbruch gekommen. Amerika muss seine globale Verantwortung akzeptieren. Ausgerüstet mit dem Gottismus, muss es die kommunistische Welt befreien und letztendlich Gottes Himmelreich hier auf Erden errichten.“ Die Rede wurde viele Male von Zurufen und Applaus unterbrochen.

Das Nachrichtenmagazin Newsweek veröffentlichte in seinem illustrierten Jahresrückblick über die bedeutendsten Ereignisse von 1976 ein Bild von mir und bezeichnete mich als Teil der Erweckungsbewegung in den 70ern. Auf der anderen Seite erhöhte sich die Zahl der Leute, die mich mit Vorbehalten und sogar Angst betrachteten. Für sie war ich nichts weiter als ein sonderbarer Magier, der aus dem Osten gekommen war. Ich war kein weißer Mann, dem sie glauben und folgen konnten. Die Tatsache, dass ich Dinge sagte, die irgendwie anders waren als das, was sie in ihren Kirchen gehört hatten, machte sie sehr unsicher. Sie konnten insbesondere nicht akzeptieren, dass junge weiße Leute einem Asiaten mit schmalen Augen in der Form eines Fisches Respekt entgegenbrachten und ihm nachfolgten. Sie begannen Gerüchte zu verbreiten, dass ich unschuldige junge Weiße einer Gehirnwäsche unterzogen hätte. Diese Gruppe, die mich bekämpfte, versammelte sich im Hintergrund hinter jenen, die mir ihre Unterstützung zuriefen. Ich wusste, dass eine weitere Krise auf mich zukommen würde. Ich hatte jedoch keine Angst, denn ich tat ganz eindeutig das, was richtig war.

Die USA sind weithin bekannt als ein Land der Freiheit und Gleichheit, in das Menschen aller Rassen kommen können, um den amerikanischen Traum zu verwirklichen. Doch tatsächlich gibt es wegen rassischer und religiöser Diskriminierungen viel Streit und Auseinandersetzungen. Dies sind chronische Krankheiten, die tief in der amerikanischen Geschichte verwurzelt sind. Deshalb sind sie viel schwieriger zu heilen als die sozialen Erkrankungen wie Unmoral und Materialismus, die durch den Überfluss in den 70ern aufgekommen waren.

In dieser Zeit besuchte ich oft afroamerikanische Kirchen, um die ökumenische Harmonie zu unterstützen. Unter den schwarzen Leitern gab es einige, die nach dem Vorbild von Dr. Martin Luther King Jr. daran arbeiteten, religiöse Diskriminierung zu beseitigen und Gottes Friedensreich zu errichten. Einige von diesen Pastoren hatten in ihrem Keller Bilder von Sklavenmärkten hängen, die es mehrere Hundert Jahre lang gegeben hatte, bevor die Sklaverei verboten wurde. Mehrfach sah man das Bild von einem Schwarzen, der an einem Baum hing und bei lebendigem Leib angezündet wurde. Auf einem anderen waren nackte schwarze Männer und Frauen zu sehen, die von potenziellen Sklavenkäufern wie eine Ware begutachtet wurden. Ein anderes Bild zeigte ein schreiendes schwarzes Baby, das seiner Mutter weggenommen wurde. Man konnte kaum glauben, dass Menschen zu solch barbarischen Handlungen fähig waren, wie sie so deutlich auf diesen Bildern dargestellt wurden.

Auf einer Versammlung in Chicago am 24. Oktober 1975 sagte ich zu den Anwesenden: „Wartet ab, innerhalb der nächsten 30 Jahre wird es in den Vereinigten Staaten einen Präsidenten geben, der aus einer gemischtrassigen schwarz-weißen Familie geboren wurde.“ Die Prophezeiung, die ich an jenem Tag gemacht hatte, ist jetzt durch die Amtseinführung von Präsident Barack Obama, der einen großen Teil seines Erwachsenenlebens in Chicago verbracht hat, wahr geworden. Diese Prophezeiung wurde nicht von selbst Wirklichkeit. Viele Menschen vergossen Blut und Schweiß, um die Kämpfe zwischen den Rassen zu beenden. All diese Anstrengungen tragen jetzt Früchte.

Überraschenderweise kamen etliche Pfarrer von etablierten Kirchen in Amerika zur Washington Monument-Veranstaltung und brachten ihre Gemeindemitglieder mit. Sie entschieden, dass meine Botschaft konfessionsübergreifend war und junge Menschen inspirierte. Ich rief die Menschen dazu auf, über die Unterschiede von Konfessionen und Religionen hinauszugehen, und diese Worte wurden auf dieser Veranstaltung Wirklichkeit. Die Washington Monument-Kundgebung war ein Wunder! Hunderttausende Teilnehmer machten sie zu einer der größten Versammlungen, die je auf der National Mall stattfand.




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