Ein Wegweiser für mein Leben - Autobiografie - Sun Myung Moon - Mein Leben für den Weltfrieden

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INHALT > Kapitel 1: Nahrung ist Liebe

- Kapitel 1 - Nahrung ist Liebe -



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Ein maßgeblicher Wegweiser für mein Leben


Der Stamm Moon kam ursprünglich aus der Stadt Nam-pyeong bei Naju in der Jeolla-Provinz, die 320 Kilometer südlich von Seoul in der Südwest-Region des Landes liegt. Mein Ururgroßvater Sung Hak Moon hatte drei Söhne. Der jüngste von diesen war mein Urgroßvater Jung Heul Moon, der wiederum drei Söhne hatte: Chi Guk, Shin Guk und Yoon Guk. Mein Großvater Chi Guk Moon war der älteste der drei.


Großvater Chi Guk Moon war Analphabet, denn er hatte weder eine moderne Grundschule noch eine traditionelle Dorfschule besucht. Seine Konzentrationsfähigkeit war jedoch so hervorragend, dass er nur durch Zuhören den vollen Text der koreanischen Übersetzung von Sam Kuk Zhi (ein beliebter und weit verbreiteter Roman über drei Königreiche aus der chinesischen Geschichte), der ihm vorgelesen worden war, auswendig aufsagen konnte. Und nicht nur Sam Kuk Zhi! Wenn er jemanden eine interessante Geschichte erzählen hörte, merkte er sich diese und gab sie mit genau denselben Worten wieder. Er konnte sich alles merken, was er auch nur einmal gehört hatte. Mein Vater hatte eine ähnliche Begabung. Er konnte das ganze christliche Gesangbuch, immerhin mehr als 400 Seiten, auswendig singen.
Großvater lebte treu nach den letzten Worten seines Vaters, nämlich ein Leben im Geiste des Gebens zu führen, aber er konnte den Familienbesitz nicht bewahren. Die Ursache dafür war, dass sein jüngster Bruder, mein Großonkel Yoon Guk Moon, sich Geld ausgeliehen und dafür den Familienbesitz als Pfand eingesetzt hatte und dann alles verlor. Nach diesem Vorfall gingen die Familienmitglieder durch einige sehr harte Zeiten, doch mein Großvater und mein Vater sprachen nie schlecht von Großonkel Yoon Guk. Sie wussten nämlich, dass er das Geld nicht durch Glücksspiel oder ähnliche Dinge verloren hatte. Vielmehr hatte er das Geld an die provisorische Regierung der Republik Korea, mit ihrer Basis in Schanghai in China, geschickt. In jenen Tagen waren 70.000 Won – das war der Betrag, den mein Großonkel der Unabhängigkeitsbewegung gespendet hatte – viel Geld.

Großonkel Yoon Guk, Absolvent des Pyeongyang-Seminars und Pastor, war ein Intellektueller, der fließend Englisch sprach und sich gut in den chinesischen Studien auskannte. Er war als Pastor verantwortlich für drei Kirchengemeinden einschließlich der Deok Heung-Kirche in Deok Eon Myeon. Er beteiligte sich am Entwurf für die Unabhängigkeitserklärung von 1919, zusammen mit Nam Seon Choe.

Als sich jedoch herausstellte, dass unter den Unterzeichnenden drei von den 16 christlichen Leitern mit der Deok Heung-Kirche assoziiert waren, ließ mein Großonkel seinen Namen von der Liste streichen. Ein anderer Unterzeichner, Seung Heun Lee, der mit meinem Großonkel beim Aufbau der Osan-Schule zusammengearbeitet hatte, bat Großonkel Yoon Guk, sich um all seine Angelegenheiten zu kümmern, falls die Unabhängigkeitsbewegung scheitern und er im Kampf gegen die japanische Kolonialmacht sterben sollte.

Nach seiner Rückkehr in unsere Heimatstadt druckte Großonkel Yoon Guk Tausende koreanische Fahnen und verteilte sie an das Volk, das auf die Straßen strömte, um seine Unterstützung für die koreanische Unabhängigkeit zu bekunden. Am 8. März wurde er verhaftet, als er eine Demonstration auf dem Hügel hinter dem Büro der Aipo Myeon-Verwaltung anführte. An der Demonstration zur Unterstützung der Unabhängigkeit nahmen der Rektor, alle Mitglieder der Fakultät, etwa 2.000 Schüler der Osan-Schule, ungefähr 3.000 Christen und um die 4.000 andere Einwohner aus dieser Gegend teil. Er bekam eine zweijährige Haftstrafe im Euiju-Gefängnis. Im darauf folgenden Jahr wurde er bei einer Sonderbegnadigung wieder freigelassen.

Selbst nach seiner Freilassung konnte er wegen der starken Verfolgung durch die japanische Polizei nie lange an einem Ort verweilen und war ständig auf der Flucht. Er hatte eine große Wunde an der Stelle, an der die japanischen Polizisten ihn während der Folter mit einem Bambusspeer gestochen und ihm ein Stück Fleisch herausgerissen hatten. Er war in die Beine und in die Rippen gestochen worden. Aber, so sagte er, nachgegeben habe er nie. Als die Japaner erkannten, dass sie ihn nicht brechen konnten, boten sie ihm den Posten des Landrates an, wenn er versprechen würde, nicht mehr in der Unabhängigkeitsbewegung aktiv zu sein. Als Antwort wies er die Japaner lautstark zurecht: „Glaubt ihr wirklich, ich würde so einen Posten annehmen und für euch Diebe arbeiten?“

Als ich sieben oder acht Jahre alt war, weilte mein Großonkel Yoon Guk für kurze Zeit bei uns zuhause und einige Mitglieder der koreanischen Unabhängigkeitsarmee kamen ihn besuchen. Sie hatten kaum Geld und waren zu Fuß bei Nacht und in schwerem Schneegestöber unterwegs gewesen, bis sie unser Haus erreichten. Mein Vater bedeckte die Köpfe von uns Kindern mit einer Bettdecke, damit wir nicht geweckt würden. Ich war aber schon hellwach und lag da unter der Decke, die Augen weit offen, und hörte so gut ich konnte den Geräuschen der Erwachsenengespräche zu. Obwohl es schon sehr spät war, schlachtete meine Mutter ein Huhn, kochte Nudeln und servierte den Unabhängigkeitskämpfern das Essen.

Bis zum heutigen Tag kann ich die Worte meines Großonkels Yoon Guk nicht vergessen, die ich hörte, als ich unter der Decke lag und vor Aufregung kaum zu atmen wagte. „Selbst wenn ihr sterben solltet“, sagte er, „solange es für unser Land ist, werdet ihr gesegnet sein.“ Er fuhr fort: „Im Augenblick können wir nur Dunkelheit vor uns sehen, aber der helle Morgen kommt bestimmt.“ Wegen der erlittenen Folter konnte er seinen Körper nicht voll gebrauchen, aber der Klang seiner Stimme war voller Kraft.

Ich erinnere mich auch noch daran, dass ich damals darüber nachdachte: „Warum musste eine so wunderbare Persönlichkeit wie mein Großonkel ins Gefängnis gehen? Wenn wir nur stärker wären als Japan, dann wäre das nicht geschehen.“

Großonkel Yoon Guk reiste weiterhin durchs Land und entzog sich der Verfolgung durch die japanische Polizei. Es dauerte bis 1966, als ich in Seoul war, bis ich wieder Nachricht von ihm bekam. Großonkel Yoon Guk erschien einem meiner jüngeren Cousins in einem Traum und sagte: „Ich bin in Jeongseon in der Gangwon-Provinz begraben.“ Wir gingen zu der Adresse, die er im Traum genannt hatte, und fanden heraus, dass er neun Jahre zuvor gestorben war. Wir fanden nur einen mit Unkraut überwucherten Grabhügel. Ich habe seine Überreste in Paju, Gyeonggi-Provinz, nahe Seoul, ordentlich begraben lassen.

In den Jahren nach der Befreiung Koreas von Japan 1945 töteten die Kommunisten in Nordkorea wahllos christliche Pastoren und Unabhängigkeitskämpfer. Großonkel Yoon Guk, der fürchtete, seine Anwesenheit könnte der Familie Leid verursachen, war vor den Kommunisten in den Süden geflüchtet, hatte den 38. Breitengrad überquert und sich in Jeongseon niedergelassen. In unserer Familie wusste niemand davon. Er bestritt seinen Lebensunterhalt durch den Verkauf von Kalligraphie- Pinseln. Später erzählte man uns, dass er eine traditionelle Dorfschule aufgebaut hatte, in der er chinesische Literatur unterrichtete.

Einige seiner früheren Studenten berichteten, dass er es genoss, spontan Gedichte in chinesischen Schriftzeichen zu verfassen. Seine Studenten hatten 130 von diesen Gedichten abgeschrieben und aufbewahrt, darunter war auch das folgende:

SÜD-NORD-FRIEDE

Zehn Jahre sind vergangen,
seit ich mein Zuhause verließ und nach Süden kam.
Der Fluss der Zeit färbt meine Haare weiß.
Ich würde nach Norden zurückkehren, aber wie kann ich?
Was als kurzer Aufenthalt beabsichtigt war, zögerte sich hinaus.
Die langärmelige Kohemp-Kleidung des Sommers tragend,
kühle ich mich mit einem Seidenfächer
und überlege, was der Herbst wohl bringen mag?
Friede zwischen Nord und Süd zieht herauf.
Kinder warten unterm Dachvorsprung.
Du brauchst dich nicht so sehr zu sorgen!


Obwohl er von seiner Familie getrennt war und in Jeongseon lebte, in einem Landesteil, der in jeder Weise fremd für ihn war, war Großonkel Yoon Guks Herz voller Sorge für sein Land. Er hinterließ auch diesen poetischen Vers:

Wenn du am Anfang dein Ziel festlegst,
verpflichte dich zu einem hohen Standard;
erlaube dir keinesfalls
auch nur ein bisschen privates Verlangen.

Der Beitrag meines Großonkels zur Unabhängigkeitsbewegung wurde posthum 1977 durch die Regierung der Republik Korea mit einer Auszeichnung durch den Präsidenten anerkannt und 1990 mit der Verleihung des Verdienstordens für die Gründung der Nation gewürdigt. Sogar noch jetzt rezitiere ich manchmal seine Verse. Sie sind durchdrungen von seiner unerschütterlichen Liebe für sein Land, selbst im Angesicht extremer Not.

Da ich nun älter geworden bin, denke ich in letzter Zeit öfters an meinen Großonkel Yoon Guk. Jeder Vers seiner Gedichte, die sein um sein Land besorgtes Herz ausdrücken, geht mir sehr nahe. Ich habe unseren Mitgliedern das Lied Daehan Jiri Ga (Lied der Geografie Koreas) beigebracht, dessen Text Großonkel Yoon Guk selbst geschrieben hat. Es macht mir Freude, dieses Lied mit unseren Mitgliedern zu singen. Wenn ich dieses Lied vom Berg Baekdu bis Berg Halla singe, fühle ich mich von meinen Bürden befreit.

LIED DER GEOGRAFIE KOREAS

Die Halbinsel Korea im Osten,
gelegen zwischen drei Ländern.
Im Norden die weiten Ebenen der Mandschurei,
im Osten das tiefe und blaue Ostmeer,
im Süden ein Meer der vielen Inseln,
im Westen das tiefe Gelbe Meer.
Nahrung in den Meeren an drei Seiten,
unser Schatz aus allen Arten von Fischen.

Der mächtige Berg Baekdu ragt im Norden empor,
versorgt die Flüsse Amrok und Tuman mit Wasser,
die in die Meere im Osten und im Westen fließen,
kennzeichnet eine klare Grenze zu den Sowjets.
Berg Kumgang scheint hell im Zentrum,
ein Reservat für die Welt, der Stolz Koreas.
Berg Halla erhebt sich über das blaue Südmeer,
ein Richtzeichen für die Fischer auf dem Meer.
Vier Ebenen von Daedong, Hangang, Geumgang und Jeonju
geben unseren Menschen Nahrung und Kleidung.
Vier Minen von Unsan, Sunan, Gaecheon und Jaeryeong
geben uns die Schätze der Erde.
Vier Städte von Gyeongseong, Pyeongyang, Daegu und Gaeseong
strahlen über das Land.
Vier Häfen von Busan, Wonsan, Mokpo und Incheon
heißen fremde Schiffe willkommen.
Schienen breiten sich von Gyeongseong aus,
verbinden die zwei Hauptlinien Gyeong-Eui und Gyeong-Bu,
Zweiglinien Gyeong-Won und Honam
verlaufen nach Norden und Süden,
erreichen die gesamte Halbinsel.

Unsere Städte erzählen uns unsere Geschichte.
Pyeongyang, zweitausend Jahre alte Stadt von Dangun,
Gaeseong, Hauptstadt von Koryo,
Gyungeong, fünfhundert Jahre Hauptstadt von Joseon,
Gyeongju, zweitausend Jahre der Shilla-Kultur erstrahlen,
Ursprung von Pak Hyeokkeose,
Chungcheong hat Buyo,
die historische Hauptstadt von Baekjae.
Söhne Koreas pionieren die Zukunft,
die Wogen der Zivilisation spülen gegen unsere Küsten.
Kommt hervor aus den Hügeln
und geht voran mit Stärke
der Welt der Zukunft entgegen!



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