Gottes Weg gehen, ohne an mein eigenes Leben zu denken - Autobiografie - Sun Myung Moon - Mein Leben für den Weltfrieden

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- Kapitel 4 - Beginn unserer weltweiten Mission -



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Gottes Weg gehen, ohne an mein eigenes Leben zu denken


Sobald ich aus dem Seodaemun-Gefängnis entlassen worden war, ging ich zum buddhistischen Gapsa-Tempel auf dem Berg Gyeryong in der Provinz Chungcheong. Meine Wunden von den Folterungen im Seodaemun-Gefängnis mussten heilen. Ich brauchte auch einen Wald, in dem ich beten und mir Gedanken über die Zukunft unserer Kirche machen konnte. Das war kurz nach dem Ende des Koreakrieges. In dieser Zeit war es oft schwierig, genug Nahrung zum Überleben zu finden. Trotz dieser momentanen Schwierigkeiten war es für mich jedoch sehr wichtig, längerfristige Pläne zu machen. Wir hatten immer noch keine Kirche, die groß genug war, allen Mitgliedern für einen Gottesdienst Platz zu bieten. Doch ich fühlte, dass es wichtig war, sich Gedanken über die fernere Zukunft zu machen.


Als Folge des Zusammenbruchs der japanischen Kolonialherrschaft und der Befreiung Koreas im Jahr 1945 gab es keine diplomatischen Beziehungen mehr zwischen den beiden Ländern. Japan hatte die Regierung in Seoul nicht anerkannt und Korea betrachtete Japan als Feindesland. In Anbetracht der Gesamtsituation der Welt war ich der Überzeugung, dass es wichtig war, den Kontakt zwischen den beiden Ländern wiederherzustellen. Es gab einige Versuche, Missionare nach Japan zu schicken, aber sie blieben ohne Erfolg. Am Ende war es Bong Chun Choi, der diese Aufgabe erfüllte.

1958 traf ich mich mit Bong Chun Choi auf dem Berg hinter dem Gapsa-Tempel. Ich sagte zu ihm: „Du musst sofort nach Japan gehen. Du kannst erst nach Korea zurückkehren, nachdem du dort erfolgreich warst.“ „Ja!“, antwortete er, ohne zu zögern. Wir beide sangen dann ein koreanisches christliches Lied, das mit folgenden Worten beginnt: Von Gott gerufen, ehren wir den Ruf; Herr, was immer Du sagst, wir werden überall hingehen.

Wir gingen in Hochstimmung zusammen den Berg hinunter. Er fragte nie, wie er sich in Japan finanzieren oder seine Missionsarbeit dort beginnen sollte. Bong Chun Choi war ein derart mutiger Mann. Den meisten Koreanern war damals das Reisen nach Japan nicht erlaubt. Seine einzige Möglichkeit war zu versuchen, ohne Visum nach Japan zu gelangen. Er würde viel erdulden müssen.

Bong Chun Choi wusste nicht einmal, ob er nach Japan einreisen konnte, doch er war bereit, wenn nötig sein Leben dafür zu geben. Ich legte all meine anderen Arbeiten beiseite, setzte mich in ein kleines Zimmer in unserer Kirche, aß nichts und schlief nicht, sondern betete so lange, bis ich erfuhr, dass er sicher in Japan angekommen war. Wir hatten sogar einen Kredit von 1,5 Millionen Won aufgenommen, um ihn losschicken zu können. Es gab viele Mitglieder, die nichts zu essen hatten, aber Japan zu missionieren war so wichtig, dass alles andere dahinter zurücktreten musste.

Unglücklicherweise wurde Bong Chun Choi gleich nach seiner Ankunft in Japan verhaftet. Er wurde bis zu seiner Abschiebung nach Korea ins Gefängnis gesteckt, zuerst in Hiroshima und später in Yamaguchi. Während seines Gefängnisaufenthalts beschloss er, lieber zu sterben als zurückgeschickt zu werden, und so begann er zu fasten. Während des Fastens bekam er hohes Fieber. Die japanischen Behörden verlegten ihn in ein Krankenhaus und verschoben seine Abschiebung bis zu seiner Genesung. Im Krankenhaus schaffte er es, aus der Haft zu entfliehen.

Nach eineinhalb Jahren ständiger Bemühungen unter Einsatz seines Lebens konnte Bong Chun Choi die Kirche im Oktober 1959 in Japan etablieren. Weitere sechs Jahre lang gab es keine diplomatischen Beziehungen zwischen Korea und Japan. Korea lehnte alle Vorschläge ab, die Kontakte zu Japan wieder aufzunehmen. Die schmerzvollen Erinnerungen an die japanische Kolonialherrschaft waren noch zu frisch.

Ich hatte es geschafft, dass sich unser Missionar zum Wohle der Zukunft Koreas in das Feindesland hineingeschmuggelt hatte. Anstatt jeglichen Kontakt zu verweigern, musste Korea Japan missionieren, damit es bei den bilateralen Beziehungen in der Position des Seniorpartners stehen würde. Korea war materiell gesehen verarmt. Deshalb musste es einen Kanal zur japanischen Führung finden, Japan auf seine Seite bringen und sich dann mit den Vereinigten Staaten verbünden. Auf diese Weise konnte Korea überleben.

Als Ergebnis der erfolgreichen Bemühungen, einen Missionar nach Japan zu schicken, und auf der Grundlage der von Bong Chun Choi geleisteten Opfer trat ein außergewöhnlicher Jugendleiter namens Osami Kuboki zusammen mit einer Gruppe junger Leute, die ihm nachfolgten, der Kirche bei. Unsere japanische Kirche wurde infolge ihrer Arbeit sicher etabliert.

Im folgenden Jahr schickten wir Missionare nach Amerika. Dieses Mal gab es keine Visa-Probleme. Alle bekamen vor ihrer Abreise Pässe und Visa. Für die Pässe erhielten wir Hilfe von einigen Kabinettsmitgliedern der Liberalen Partei, die mitverantwortlich für meine Inhaftierung im Seodaemun-Gefängnis gewesen waren. Zuvor hatten sie uns bekämpft, doch jetzt halfen sie uns.

Zu jener Zeit schien Amerika sehr weit entfernt zu sein. Einige von unseren Mitgliedern waren gegen die Idee, Missionare nach Amerika zu schicken. Sie hielten es für wichtiger, zuerst unser Fundament in Korea zu vergrößern. Doch ich überzeugte sie, dass es wichtig war, indem ich darauf hinwies, dass auch Korea vernichtet werden würde, wenn die Probleme in Amerika nicht gelöst werden konnten. Im Januar 1959 schickten wir Young Oon Kim, eine der Professorinnen, die von der Ewha- Frauenuniversität entlassen worden waren, nach Amerika. Im September des gleichen Jahres schickten wir David S. C. Kim dorthin. Die Arbeit, welche die beiden begannen, war bereits auf die ganze Welt ausgerichtet.




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