Liebe die Natur und lerne von ihr - Autobiografie - Sun Myung Moon - Mein Leben für den Weltfrieden

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- Kapitel 1 - Nahrung ist Liebe -



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Liebe die Natur und lerne von ihr


Es liegt in meiner Natur, dass ich über das, was ich sehe, alles wissen möchte. Ich konnte nicht einfach etwas oberflächlich übergehen. Ich fing an zu denken: „Ich möchte gern wissen, wie dieser Berg heißt. Wie ist es wohl dort oben?“ Ich musste dann selbst losgehen und nachsehen. Als Kind bestieg ich darum in einem Radius von acht Kilometern rund um unser Haus alle Berge. Ich ging überallhin, sogar bis hinter die Berge. Deshalb hatte ich eine Vorstellung davon, wie es oben auf einem Berg war, der im Morgenlicht aufleuchtete. Und wenn ich ihn dann betrachtete, fühlte ich Freude. Ich hasste es geradezu, Orte zu sehen, die mir unbekannt waren. Ich wollte alles verstehen, was ich sah und auch was dahinter lag. Andernfalls war mein Geist so rastlos, dass ich es nicht aushalten konnte.


Auf dem Weg in die Berge wollte ich alle Blumen und Bäume berühren. Ich war nicht zufrieden, Dinge nur mit den Augen zu betrachten. Ich musste die Blumen anfassen, an ihnen riechen und sie sogar in meinen Mund stecken und auf ihnen herumkauen. Die Düfte, das Berühren und die Vielfalt im Geschmack beglückten mich so sehr, dass es mir nichts ausgemacht hätte, wenn mich jemand dazu aufgefordert hätte, meine Nase ins Gestrüpp zu stecken und sie den ganzen Tag drin zu lassen. Ich liebte die Natur so sehr. Wann immer ich hinausging, verbrachte ich den ganzen Tag damit, in den Hügeln und Feldern umherzustreifen, und vergaß, dass ich nach Hause gehen musste. Wenn meine älteren Schwestern in den Hügeln wildes Gemüse sammeln gingen, lief ich voraus und pflückte die Pflanzen. Dank dieser Erfahrung weiß ich sehr viel über viele Wildgemüsearten, die gut schmecken und nährstoffreich sind. Es ist wichtig, den richtigen Rhythmus herauszufinden, um den wundervollen Geschmack von Sseumbagwi genießen zu können (das ist ein Wildblumengewächs, das von den Koreanern wegen der Wurzeln und Blätter geschätzt wird). Man kann es mit roter Bohnenpaste mixen und es in eine Schüssel mit Gochujang Bibimbap geben, das ergibt dann einen wunderbaren Geschmack. Wenn man Sseumbagwi isst, dann muss man es in den Mund stecken und den Atem für ein paar Sekunden anhalten. So lange dauert es, bis der bittere Geschmack verschwindet und ein ganz anderer Geschmack zum Vorschein kommt.

Gern kletterte ich auch auf Bäume. Meistens kletterte ich auf den riesigen, 200 Jahre alten Kastanienbaum auf unserem Hof. Mir gefiel die Aussicht, die ich von den oberen Ästen des Baumes aus hatte. Ich konnte sogar über die Einfahrt zum Dorf hinaussehen. Wenn ich einmal oben war, wollte ich so schnell nicht wieder herunter. Manchmal war ich dort oben bis spät in die Nacht hinein. Die jüngste meiner älteren Schwestern kam dann aus dem Haus und machte viel Wirbel darum, wie gefährlich das sei, und versuchte mich von dort oben herunterzulocken.

„Yong Myung, bitte komm herunter“, sagte sie. „Es ist spät. Du sollst hereinkommen und ins Bett gehen.“ „Wenn ich müde werde, kann ich auch hier oben schlafen“, antwortete ich. Was ihr auch einfiel, um mich zu überzeugen, ich rührte mich nicht vom Fleck auf meinem Ast im Kastanienbaum. Schließlich verlor sie ihre Beherrschung und rief: „He, du Affe! Komm sofort herunter!“

Vielleicht kletterte ich deswegen so gern auf Bäume, weil ich im Jahr des Affen (chinesisches Sternzeichen) geboren bin. Wenn die stacheligen Kastanien reif in Büscheln an den Ästen hingen, nahm ich einen abgebrochenen Ast und sprang immer wieder hoch, um sie damit herunterzuschlagen. Ich erinnere mich daran, dass das viel Spaß gemacht hat. Ich bedauere die Kinder von heute, die nicht auf dem Land aufwachsen und diese Art der Freude erleben können.

Die Vögel, wie sie so frei am Himmel flogen, waren auch Objekte meiner Neugierde. Hin und wieder kamen besonders schöne Vögel vorbei. Ich studierte sie, soweit es möglich war, und bemerkte, wie männliche und weibliche Vögel aussahen. Es gab damals keine Bücher, die mir über die vielfältigen Arten von Bäumen, Büschen und Vögeln hätten Auskunft geben können. So musste ich alles selber untersuchen. Oft versäumte ich die Mahlzeiten, weil ich in den Bergen herumwanderte auf der Suche nach den Orten, an denen sich die Zugvögel niedergelassen hatten.

Einmal kletterte ich wegen eines Elsternnestes einige Tage lang jeden Morgen und Abend auf einen Baum. Ich wollte beobachten, wie eine Elster ihre Eier legt. Schließlich konnte ich zusehen, wie eine Elster ihre Eier legte, und freundete mich mit dem Vogel an. Die ersten paar Male, wenn ich mich anpirschte und die Elster mich sah, kreischte sie schrill und protestierte lautstark. Später konnte ich mich ihr jedoch nähern und sie blieb ganz ruhig.

Auch die Insekten in der Umgebung waren meine Freunde. Jedes Jahr im Spätsommer erklang das hell tönende Zirpen einer Grille in den oberen Ästen eines Dattelpflaumenbaums direkt vor meinem Fenster. Jeden Sommer war ich dankbar, wenn die lauten, nervenaufreibenden Töne anderer Arten von Zikaden, die den ganzen Sommer lang Lärm gemacht hatten, plötzlich aufhörten und vom Lied der hell klingenden Grille abgelöst wurden. Ihr Lied ließ mich wissen, dass die schwüle Sommerzeit bald vom kühlen Herbst abgelöst würde.

Ihr Zirpen klang ungefähr so: „Sulu Sulululululu!“ Wenn ich dann dieses helle Singen der Grille hörte, schaute ich den Dattelpflaumenbaum hinauf und dachte mir: „Natürlich muss sie zum Singen hoch hinauf, damit jeder im Dorf sie hören und sich freuen kann. Wer könnte sie hören, wenn sie zum Singen in eine Grube krabbeln würde?“

Bald aber verstand ich, dass sowohl die Sommerzikaden als auch die hell klingenden Grillen aus Liebe zirpten. Ob sie nun „Mem mem mem“ zirpten oder „Sulu sulu“, sie wollten damit ein Weibchen anlocken. Als ich das verstanden hatte, musste ich von da an immer lachen, wenn ich hörte, wie ein Insekt zu zirpen begann. „Oh, du möchtest Liebe, nicht wahr? Nur zu, singe und finde eine gute Kameradin für dich!“ Nach und nach freundete ich mich mit allen Geschöpfen in der Natur an und entwickelte Herzensbeziehungen zu ihnen.

Die Küste des Gelben Meeres war nur etwa vier Kilometer von zuhause entfernt. Das war so nahe, dass ich sie leicht von jedem erhöhten Standort in der Nähe unseres Hauses aus sehen konnte. Den Weg zum Meer entlang lagen Teiche aneinander gereiht, die durch einen Bach miteinander verbunden waren. Oft grub ich in einem dieser nach abgestandenem Wasser riechenden Teiche herum und fing Aale und Flusskrebse. Auf meiner Jagd nach Wasserlebewesen stocherte ich an allen möglichen Orten herum. So lernte ich, wo sich jede Art aufhielt. Aale haben es von Natur aus nicht gern, wenn sie zu sehen sind, und verstecken daher ihre langen Körper in Krabbenhöhlen und ähnlichen Unterschlupfen. Oft jedoch hat nicht der ganze Körper Platz in den Löchern und die Schwanzenden schauen noch heraus. Ich konnte sie leicht fangen, wenn ich einfach das Schwanzende packte und den Aal aus seinem Loch zog. Wenn wir zuhause Gäste hatten, die gern einen gedünsteten Aal essen wollten, war es für mich ein Leichtes, die insgesamt fast fünf Kilometer Hin- und Rückweg zu den Weihern zu laufen und etwa fünf Aale zurückzubringen. In den Sommerferien konnte ich oft mehr als 40 Aale an einem Tag fangen.

Es gab eine lästige Arbeit, die ich nicht gerne verrichtete, nämlich die Kuh zu füttern. Wenn mein Vater mir auftrug, die Kuh zu füttern, brachte ich sie oft auf die Wiese des Nachbardorfes und band sie dort an. Dann lief ich davon. Aber nach einer Weile begann ich mir Sorgen um die Kuh zu machen. Wenn ich zurückschaute, sah ich sie noch immer dort, wo ich sie angebunden hatte. Sie stand einfach einen halben Tag lang oder länger dort, muhte und wartete auf jemanden, der sie füttern würde. Wenn ich die Kuh aus einiger Entfernung muhen hörte, tat sie mir leid und ich dachte: „Diese Kuh! Was soll ich nur mit ihr machen?“

Man kann sich vielleicht vorstellen, wie ich mich fühlte, wenn ich das Muhen der Kuh nicht beachtete. Aber wenn ich spät am Abend zu ihr zurückkam, war sie weder zornig noch versuchte sie, mich mit ihren Hörnern aufzuspießen. Stattdessen schien sie sich über meine Rückkehr zu freuen. Dadurch habe ich verstanden, dass es beim Erreichen eines Lebenszieles darauf ankommt, eine ähnliche Einstellung zu haben wie eine Kuh: Warte geduldig auf den richtigen Zeitpunkt, dann wird etwas Gutes auf dich zukommen.

Wir hatten zuhause einen Hund, den ich sehr mochte. Er war so klug, dass er mir schon auf meinem Heimweg von der Schule entgegengerannt kam, obwohl ich noch ganz weit entfernt war. Wenn er mich sah, war es ihm anzusehen, dass er sich freute. Ich streichelte ihn immer mit meiner rechten Hand. Selbst wenn es einmal vorkam, dass er auf meiner linken Seite war, ging er herum zu meiner rechten Seite, rieb seinen Kopf an mir und bettelte darum, gestreichelt zu werden. Dann streichelte ich mit meiner rechten Hand seinen Kopf und seinen Rücken. Falls ich es nicht tat, jaulte er und lief im Kreis um mich herum, während ich die Straße entlangging. „Du Schlingel“, sagte ich, „du weißt genau, was Liebe ist, nicht wahr? Gefällt dir die Liebe?“

Tiere wissen, was Liebe ist! Haben Sie jemals eine Mutterhenne gesehen, die auf ihren Eiern sitzt, bis sie ausgebrütet sind? Die Henne hält ihre Augen offen und scharrt mit ihrem Fuß auf dem Boden, so dass sich ihr keiner nähern kann. Ich ging im Hühnerstall ein und aus, obwohl ich wusste, dass das die Henne wütend machte. Wenn ich in den Stall ging, streckte die Henne ihren Nacken nach vorn und versuchte mich einzuschüchtern. Anstatt zurückzuweichen, machte ich auch bedrohliche Gesten gegenüber der Henne. Nachdem ich ein paar Mal im Stall war, tat die Henne so, als ob sie mich nicht sehen würde. Ihre Federn blieben jedoch gesträubt und ihre Krallen lang und scharf. Sie sah so aus, als ob sie zu mir herübersausen und mich angreifen wollte. Aber sie konnte sich wegen der Eier nicht bewegen. Sie saß nur da und sah mich entsetzt an. Ich ging näher und berührte ihre Federn. Sie rührte sich jedoch nicht vom Fleck.

Es schien, als sei sie fest entschlossen, sich nicht von dieser Stelle wegzubewegen, bis ihre Küken geschlüpft waren, auch wenn sie es geschehen lassen müsste, dass ihr jemand alle Federn aus ihrer Brust ausrupft. Weil sie durch Liebe so fest mit ihren Eiern verbunden ist, gewinnt die Henne eine Autorität, die sogar den Hahn davon abhält, zu tun, was ihm gerade einfällt. Die Henne herrscht mit voller Autorität über alles unter dem Himmel, als ob sie sagen würde: „Mir ist es egal, wer du bist. Du solltest aber besser diese Eier in Ruhe lassen!“

Es ist auch eine Demonstration der Liebe, wenn ein Mutterschwein Ferkel zur Welt bringt. Ich beobachtete ein Mutterschwein, als es seinen Wurf zur Welt brachte. Während der Geburt presst es ruckartig mit einem lauten Grunzen und ein Ferkel schlüpft heraus auf den Boden. Das Schwein stößt wieder ein lautes Grunzen aus und das zweite Ferkel kommt heraus. Bei Katzen und Hunden ist es so ähnlich. Kleine Tierbabys zu sehen, machte mich sehr glücklich. Sie kamen zur Welt und hatten nicht einmal die Augen offen. Ich konnte nicht anders als aus Freude darüber laut zu lachen.

Andererseits bereitete es mir großen Kummer, wenn ich ein Tier sterben sah. Ein wenig außerhalb des Dorfes stand ein Schlachthaus. Einmal war eine Kuh in diesem Schlachthaus. Ein Metzger tauchte wie aus dem Nichts auf und schlug die Kuh mit einem Eisenhammer so groß wie ein Unterarm. Die Kuh fiel vornüber. Gleich darauf wurde sie enthäutet und ihre Beine wurden abgeschnitten. Das Leben klammert sich so verzweifelt fest, dass die Stummeln, die der Kuh nach dem Abschneiden der Beine noch geblieben waren, weiter zitterten. Mir kamen unwillkürlich die Tränen, als ich das sah, und ich weinte laut.

Von klein auf hatte ich eine gewisse Eigenheit. Ich wusste Dinge, die andere nicht wussten, als hätte ich eine natürliche übersinnliche Fähigkeit. Wenn ich sagte, dass es regnen würde, dann regnete es. Ich konnte zuhause sitzen und sagen: „Der alte Mann, Herr Soundso, im nächsten Dorf fühlt sich heute nicht gut“, und es stimmte immer.

Seit ich acht Jahre alt war, war ich auch als Meister der Heiratsvermittlung bekannt. Ich brauchte nur Fotos von angehenden Brautleuten zu sehen und ich konnte alles über diese beiden sagen. Wenn ich sagte: „Diese Verbindung ist schlecht“, und sie trotzdem heirateten, dann brach diese Ehe später unweigerlich auseinander. Ich tue das im Alter von 90 Jahren noch immer. Heute kann ich vieles über eine Person sagen, indem ich nur sehe, wie sie sitzt oder lacht.

Wenn ich mich sehr konzentrierte, konnte ich sagen, was meine älteren Schwestern in einem bestimmten Augenblick machten. Darum fürchteten sich meine älteren Schwestern auch vor mir, obwohl sie mich gern hatten. Sie fühlten, dass ich all ihre Geheimnisse kannte.

Es mag aussehen, als ob ich über unglaubliche übersinnliche Kräfte verfüge, aber eigentlich ist es nichts Erstaunliches. Sogar Ameisen, die wir oft als unbedeutende Kreaturen abtun, können uns andeuten, wann die Regenperiode anfängt, wenn sie nämlich plötzlich dorthin wandern, wo sie trocken bleiben können. Menschen im Einklang mit der Natur sollten fähig sein zu ahnen, was auf sie zukommt. Das ist keine allzu schwierige Sache.

Man kann vorhersagen, aus welcher Richtung der Wind blasen wird, wenn man ein Elsternnest sorgfältig untersucht. Eine Elster baut den Eingang des Nestes immer auf der vom Wind abgekehrten Seite. Sie nimmt Zweige in ihren Schnabel und flechtet sie kunstvoll zusammen. Dann holt sie mit ihrem Schnabel Schlamm und dichtet damit die Decke und den Boden des Nestes ab, so dass der Regen nicht eindringen kann. Sie arrangiert die Enden der Zweige so, dass sie alle in dieselbe Richtung weisen. Wie bei einer Regenrinne auf dem Dach muss dadurch das Regenwasser an einem Punkt abfließen. Selbst Elstern besitzen ein solches Gespür, das ihnen hilft zu überleben. Wäre es dann nicht nur natürlich, dass auch die Menschen diese Art von Fähigkeit besitzen?

Wenn ich mit meinem Vater auf einem Viehmarkt war, sagte ich manchmal: „Vater, kaufe diese Kuh nicht. Eine gute Kuh sollte am Genick gut aussehen und starke Vorderhufe haben. Hinterteil und Rücken sollten kräftig sein. Diese Kuh ist aber nicht so.“ Ganz gewiss wurde diese Kuh dann auch nicht verkauft. Mein Vater sagte: „Woher weißt du das alles?“ Und ich antwortete: „Ich weiß das schon, seit ich im Bauch meiner Mutter war.“ Natürlich war das nicht ernst gemeint. Wenn man Kühe gern hat, dann kann man eine Menge über sie erzählen.

Die mächtigste Kraft in der Welt ist die Liebe und ein vereinigter Geist und Körper ist Ehrfurcht gebietend. Wenn man zur Ruhe kommt und seinen Geist konzentriert, dann fühlt man einen Ort tief im Inneren, wo sich der Geist niederlassen kann. Es ist wichtig, dass man seinen Geist dorthin gehen lässt. Wenn man seinen Geist vor dem Schlafengehen zu diesem Ort gehen lässt, dann wird man beim Aufwachen extrem empfindsam sein. Das ist der Moment, in dem man alle unwesentlichen Gedanken weglassen und sein Bewusstsein ausrichten sollte. Dann wird man fähig sein, mit allem zu kommunizieren.

Wenn Sie mir nicht glauben, dann probieren Sie es jetzt einfach aus. Jede Lebensform auf dieser Welt sucht danach, sich selbst mit dem zu verbinden, wodurch sie die meiste Liebe erhält. Wenn man daher etwas besitzt und es nicht wirklich liebt, dann sind Besitz oder Herrschaft nicht rechtmäßig und man wird es hergeben müssen.



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