Unsere Wunden sind ein Training für uns - Autobiografie - Sun Myung Moon - Mein Leben für den Weltfrieden

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- Kapitel 3 - Innerer Reichtum durch Kampf und Leid -



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Unsere Wunden sind ein Training für uns


Die Menschen lehnten den neuen Ausdruck der Wahrheit, den ich predigte, ab und nannten ihn eine Irrlehre. Jesus, der in Israel geboren worden war, wurde in ähnlicher Weise der Häresie beschuldigt und schließlich gekreuzigt. Im Vergleich dazu war meine Verfolgung nicht annähernd so schmerzhaft oder ungerecht. Ich konnte jeglichen Schmerz, der meinem Körper zugefügt wurde, erdulden. Die Häresieanklage gegen unsere Kirche war jedoch zutiefst ungerecht und für mich schwerer zu ertragen.


Einige Theologen, die unsere Kirche in ihren frühen Jahren studierten, beschrieben unsere Lehre als ursprünglich und systematisch. Einige waren bereit, sie zu akzeptieren. Das bedeutet, dass das Ausmaß der Auseinandersetzungen über den vermeintlichen Irrglauben unserer Kirche auf mehr als nur theologische Gründe zurückzuführen war. Es ging vielmehr um die Frage der Macht.

Die meisten unserer Mitglieder hatten andere Kirchen besucht, bevor sie unserer beitraten. Das war ein Hauptgrund dafür, warum unsere Kirche von den etablierten Kirchen als Feind behandelt wurde. Als Professorin Yoon Young Yang von der Ewha-Universität unserer Kirche beitrat, wurde sie zur Polizeistation gebracht und verhört. Dort entdeckte sie, dass etwa 80 christliche Pfarrer Briefe an die Behörden geschrieben hatten, in denen sie unsere Kirche kritisierten. Wir hatten offensichtlich nichts Falsches getan, wurden jedoch von gewissen Personen und Institutionen als eine Gefahr für ihre Macht betrachtet. Es waren ihre dumpfen Angstgefühle und ihre extreme Parteilichkeit, die sie dazu trieben, unsere Kirche zu unterdrücken.

Menschen von den verschiedensten religiösen Gruppen fühlten sich von unserer Kirche und ihrer neuen Lehre angezogen. Ich sagte zu unseren Mitgliedern: „Warum seid ihr hergekommen? Geht zurück in eure Kirchen.“ Ich drohte ihnen schon fast, als ich versuchte sie fortzujagen. Doch sie kamen bald wieder zurück. Die Menschen, die herbeiströmten, um mich zu sehen, hörten auf niemanden. Sie hörten nicht auf ihre Lehrer oder ihre Eltern. Sie wollten mich sprechen hören. Ich habe sie nicht bezahlt oder ihnen Essen gegeben, doch sie glaubten an das, was ich lehrte, und sie kamen immer wieder.

Der Grund dafür bestand darin, dass ich einen Weg für sie eröffnete, ihre Frustrationen zu lösen. Bevor ich die Wahrheit kannte, war auch ich frustriert. Ich war frustriert, wenn ich zum Himmel emporblickte und wenn ich die Menschen um mich herum betrachtete. Daher konnte ich die Frustrationen der Menschen, die zu unserer Kirche kamen, verstehen. Sie hatten Fragen über das Leben und konnten keine Antworten finden. Das Wort Gottes, das ich vermittelte, beantwortete ganz eindeutig ihre Fragen. Junge Menschen, die mich aufsuchten, fanden Antworten in den Worten, die ich sprach. Sie wollten zu unserer Kirche kommen und mich auf meiner geistigen Reise begleiten, ganz gleich wie schwierig es sein würde.

Ich bin der Mensch, der den Weg findet und ihn öffnet. Ich führe Menschen entlang des Pfades, um zerbrochene Familien zu heilen und die Gesellschaft, Nation und Welt wiederaufzubauen, so dass wir schließlich zu Gott zurückkehren können. Menschen, die zu mir kommen, verstehen das. Sie wollen mit mir gehen, um Gott zu finden. Was gibt es daran auszusetzen? Alles, was wir taten, war, uns auf die Suche nach Gott zu machen. Dafür wurden wir jeder Art von Verfolgung und negativer Kritik ausgesetzt.

Während unsere Kirche sich mit der Häresieanschuldigung auseinandersetzen musste, erschwerte meine Frau die Lage leider noch zusätzlich. Nach unserem Treffen in Busan forderten sie und ihre Verwandten, dass ich unverzüglich die Kirche aufgeben sollte, um mit ihr und unserem Sohn zu leben, ansonsten würden sie die Scheidung einreichen. Sie kamen sogar ins Seodaemun-Gefängnis während meiner dortigen Haftzeit, um mir die Scheidungspapiere vorzulegen mit der Forderung, meine Unterschrift draufzusetzen. Ich weiß um die Bedeutung der Ehe in dem Bestreben, Gottes Welt des Friedens zu errichten, und daher erduldete ich ihre Forderungen in Stille.

Meine Frau beschimpfte auch unsere Kirchenmitglieder in schrecklicher Weise. Persönlich konnte ich es aushalten. Ich machte mir nichts aus ihren Beschimpfungen und ihrem rücksichtslosen Verhalten mir gegenüber, doch es fiel mir schwer, ihr beleidigendes Benehmen gegenüber unseren Mitgliedern ansehen zu müssen. Sie stürmte in unsere Kirche zu jeder Tages- und Nachtzeit, um unsere Mitglieder wüst zu beschimpfen, Kircheneigentum zu zerstören oder Gegenstände der Kirche mitzunehmen. Sie schüttete sogar Wasser mit menschlichen Fäkalien über unsere Mitglieder. Wenn sie kam, war es für uns unmöglich, einen Gottesdienst abzuhalten. Als ich aus dem Seodaemun-Gefängnis entlassen wurde, willigte ich schließlich in die Forderungen ihrer Familie ein und setzte meine Unterschrift auf die Scheidungspapiere. Ich wurde gegen meine eigenen Prinzipien zur Scheidung gezwungen.

Wenn ich heute an meine ehemalige Frau denke, tut sie mir sehr leid. Der Einfluss ihrer Familie, die starke Christen waren, sowie die Leiter der etablierten Kirchen Koreas waren in hohem Maße mitverantwortlich für ihr Verhalten. Bevor wir geheiratet hatten, war sie so klar und entschlossen gewesen. Die Art und Weise, wie sie sich veränderte, gibt uns ein Beispiel dafür, wie sehr wir uns vor der Macht sozialer Vorurteile und festgefahrener Konzepte in Acht nehmen müssen.

Ich erlebte beides, den Schmerz der Scheidung und den Schmerz, als Häretiker gebrandmarkt zu werden. Doch ich beugte mich nicht. Dies waren Dinge, die ich auf meinem Weg, die Menschheit von der Ursprünglichen Sünde zu erlösen, erdulden musste. Ich musste sie durchstehen, um auf dem Weg ins Himmelreich voranschreiten zu können. Vor dem Morgengrauen ist es am dunkelsten. Ich überwand die Finsternis, indem ich an Gott festhielt und zu Ihm betete. Außer den flüchtigen Momenten des Schlafes verbrachte ich all meine verfügbare Zeit im Gebet.




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