„Bitte stirb nicht“ - Autobiografie - Sun Myung Moon - Mein Leben für den Weltfrieden

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- Kapitel 2 - Ein Fluss von Tränen fliesst in meinem Herzen -



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„Bitte stirb nicht“


Ich vertiefte mich weiterhin ins Gebet und intuitiv spürte ich, dass für mich die Zeit gekommen war, um zu heiraten. Da ich mich für Gottes Weg entschieden hatte, sollte alles in meinem Leben dem Willen Gottes entsprechend geschehen. Wenn mir im Gebet einmal etwas klar geworden war, hatte ich keine andere Wahl, als dementsprechend zu handeln. So ging ich zu einer meiner Tanten, die viel Erfahrung darin hatte, Ehen zu arrangieren, und bat sie, mich mit einer geeigneten Frau bekannt zu machen. Auf diese Weise traf ich Seon Gil Choi, die Tochter einer sehr bekannten christlichen Familie in Jeongju.


Sie war die wohlerzogene Tochter einer rechtschaffenen Familie. Sie hatte nur die Volksschule besucht. Sie war charakterstark und hatte so einen tiefen Glauben, dass sie mit 16 Jahren ins Gefängnis kam, weil sie der Aufforderung der japanischen Besatzer, dass alle Koreaner Schinto-Schreine verehren sollten, nicht nachkommen wollte. Man erzählte mir, dass ich der 24. Mann war, der als ihr Bräutigam in Betracht gezogen wurde. Es schien also, dass sie sehr sorgfältig prüfte, wen sie heiraten wollte.

Als ich nach Seoul zurückkehrte, vergaß ich jedoch völlig, dass ich sie getroffen hatte. Ich hatte geplant, nach Abschluss meines Studiums in Japan nach Hailar in China zu reisen, eine Stadt an der Grenze zwischen China, der Sowjetunion und der Mongolei.

Meine Schule in Tokio hatte mir dort eine Arbeitsstelle bei der Mandschurischen Elektrizitätsgesellschaft vermittelt. Ich hatte vor, in Hailar etwa drei Jahre zu arbeiten und in dieser Zeit auch Russisch, Chinesisch und Mongolisch zu lernen. So wie ich früher Japanisch studiert hatte, um die Japaner zu überwinden, wollte ich in diese Grenzstadt gehen und einige Fremdsprachen lernen, um mich für die Zukunft vorzubereiten.

Es wurde jedoch immer klarer, dass Japan den Krieg verlieren würde. Ich beschloss daher, besser nicht in die Mandschurei zu gehen. In einer Zweigstelle des Elektrizitätswerkes der Mandschurei in Andong (heutiges Dandong) gab ich die Absage für meinen Arbeitsantritt ab. Dann machte ich mich auf den Weg zu meinem Heimatort.

Als ich dort ankam, fand ich meine Tante, die ich gebeten hatte, meine Heirat zu arrangieren, in großer Bedrängnis. Die Frau, die ich getroffen hatte, wollte außer mir keinen anderen Partner akzeptieren und verursachte ihrer Familie große Schwierigkeiten. Meine Tante nahm mich am Arm und brachte mich zum Haus der Familie Choi.

Ich erklärte Seon Gil Choi deutlich, was für eine Art Leben ich zu führen beabsichtigte. „Auch wenn wir jetzt heiraten, solltest du darauf vorbereitet sein, wenigstens sieben Jahre ohne mich zu leben“, sagte ich zu ihr. „Aus welchem Grund?“, fragte sie. Ich antwortete: „Ich habe eine Aufgabe, die im Augenblick wichtiger ist als ein Familienleben. Der Grund für mich, zu heiraten, hat in der Tat mit der Erfüllung der Vorsehung Gottes zu tun. Unsere Ehe muss sich über den Bereich der Familie hinaus entwickeln, so dass wir die Nation und die ganze Menschheit lieben können. Willst du mich tatsächlich heiraten, nachdem du jetzt weißt, dass dies meine Intention ist?“

Sie antwortete mit fester Stimme: „Das macht mir nichts aus. Nachdem ich dich getroffen hatte, träumte ich von einem Blumenfeld im Mondschein. Ich bin sicher, dass du der Bräutigam bist, den mir der Himmel geschickt hat. Ich kann alle Schwierigkeiten ertragen.“ Ich war dennoch besorgt und bedrängte sie mehrmals. Jedes Mal versuchte sie mich zu beruhigen, indem sie sagte: „Ich bin bereit, alles zu tun, solange ich dich heiraten kann. Mach dir keine Sorgen.“

Mein zukünftiger Schwiegervater starb plötzlich eine Woche vor unserem vorgesehenen Hochzeitstermin, so dass wir unsere Hochzeit verschieben mussten. Schließlich konnten wir die Hochzeitszeremonie am 4. Mai 1944 abhalten. Der Mai ist normalerweise die Zeit für schöne Frühlingstage, aber an unserem Hochzeitstag regnete es stark. Pastor Ho Bin Lee von der Jesus-Kirche führte die Trauung durch. Später, nach der Befreiung Koreas von Japan, ging Pastor Lee nach Südkorea und gründete dort das ökumenische Seminar Jungang.
Meine Frau und ich begannen unser Eheleben in meinem Wohnheimzimmer in Heukseok-Dong. Ich liebte sie wirklich und kümmerte mich so sehr um sie, dass die Besitzerin des Wohnheims sagte: „Meine Güte, du musst sie wirklich lieben, du behandelst sie ja wie ein rohes Ei.“

Ich bekam eine Arbeitsstelle in der Gyeonseong-Filiale der Kashima Gumi-Baufirma, um für unsere Familie zu sorgen, während ich auch Kirchenarbeit machte.

Eines Tages im Oktober stürmte die japanische Polizei plötzlich unsere Wohnung. Sie wollten wissen, ob ich eine bestimmte Person von der Waseda-Universität kannte. Bevor ich antworten konnte, zerrten sie mich aus dem Haus und brachten mich zur Polizeistation der Provinz Gyeonggi. Ich wurde festgenommen, denn einer meiner Freunde, den sie verhaftet hatten, weil er verdächtigt wurde, ein Kommunist zu sein, hatte meinen Namen genannt.

In der Polizeistation wurde ich sofort gefoltert. „Du bist Mitglied der kommunistischen Partei, nicht wahr? Hast du nicht mit diesem Halunken zusammengearbeitet, als du in Japan studiert hast? Versuche gar nicht erst zu leugnen. Wir brauchen nur die Polizeidirektion in Tokio anzurufen und die werden uns alles erzählen. Gib uns die Liste der Parteimitglieder oder du wirst sterben wie ein Hund!“

Sie schlugen mich mit einem Tisch und zerbrachen an meinem Körper alle vier Tischbeine, aber ich weigerte mich, ihnen die Namen der Personen zu geben, die mit mir in Japan zusammengearbeitet hatten.

Dann ging die Polizei zur Unterkunft, wo ich mit meiner Frau lebte, stellte alles auf den Kopf und fand meine Tagebücher. Diese brachten sie zu mir, gingen Seite für Seite durch und verlangten, dass ich ihnen über die darin genannten Personen Auskunft geben sollte. Ich sagte nichts, obwohl ich wusste, dass sie mich womöglich wegen meines Schweigens umbringen würden. Die Polizisten traten mit ihren genagelten Militärstiefeln gnadenlos auf mich ein, bis mein Körper ganz schlaff war – fast wie tot. Dann hängten sie mich unter der Zimmerdecke auf und schaukelten mich hin und her. Sie schlugen mich mit einem Stock, so dass ich wie ein Stück Fleisch in einer Metzgerei hin und her schwang. Bald füllte sich mein Mund mit Blut und es tropfte unter mir auf den Zementboden. Jedes Mal, wenn ich bewusstlos wurde, schütteten sie einen Eimer Wasser über mich. Wenn ich wieder zu mir kam, setzten sie die Folter fort.

Sie hielten mir die Nase zu, steckten mir den Ausguss eines Teekessels in den Mund und zwangen mich, Wasser zu schlucken. Wenn mein Bauch vor lauter Wasser angeschwollen war, legten sie mich mit dem Gesicht nach oben auf den Fußboden, so dass ich aussah wie ein Frosch. Dann traten sie mir mit ihren Militärstiefeln in den Unterleib. So wurde das Wasser mit Gewalt durch die Speiseröhre wieder zurückgedrückt und ich erbrach mich, bis ich ohnmächtig wurde. Noch Tage nach der Folter brannte meine Speiseröhre wie Feuer. Der Schmerz war so groß, dass ich nicht einmal einen Löffel Suppe schlucken konnte. Ich hatte keinerlei Kraft, lag nur mit dem Gesicht nach unten am Boden und konnte mich nicht bewegen.

Der Krieg ging dem Ende zu und die japanische Polizei war rasend vor Wut. Sie folterten mich so stark, dass ich es mit Worten nicht beschreiben kann. Ich hielt jedoch durch und gab die Namen meiner Freunde nicht preis. Sogar als ich immer wieder bewusstlos wurde, stellte ich sicher, dass ich ihnen nicht das gab, was sie wollten. Schließlich wurden sie es müde, mich zu foltern, und sandten nach meiner Mutter. Als sie kam, waren meine Beine so geschwollen, dass ich allein nicht stehen konnte. Zwei Polizisten mussten meine Arme über ihre Schultern legen, damit sie mich in den Besucherraum bringen konnten.

Meine Mutter hatte schon Tränen in den Augen, bevor sie mich noch richtig angesehen hatte.
„Halte nur noch etwas länger durch“, sagte sie. „Ich werde dir irgendwie einen Anwalt besorgen. Bitte halte so lange durch, du darfst nicht vorher sterben.“

Meine Mutter sah mein blutbedecktes Gesicht und flehte mich an. „Es ist nicht wichtig, wie viel Gutes du tun willst“, sagte sie. „Wichtiger ist, dass du überlebst. Ganz gleich, was geschieht, bitte stirb nicht.“

Sie tat mir leid. Ich hätte gerne „Mutter“ gerufen, sie umarmt und mit ihr laut geweint. Aber ich konnte das nicht tun, denn ich wusste genau, warum die japanische Polizei sie hergebracht hatte. Meine Mutter flehte mich an, nicht zu sterben, aber alles, was ich erwidern konnte, war, mit meinen geschwollenen und blutunterlaufenen Augen zu blinzeln.

Während der Zeit, in der ich in der Gyeonggi-Provinz- Polizeistation festgehalten wurde, versorgte mich die Leiterin des Wohnheims Frau Gi Bong Lee mit Essen und Kleidung. Sie weinte jedes Mal, wenn sie mich besuchte. Ich tröstete sie und sagte: „Halte noch ein wenig durch. Diese Zeit geht vorbei. Japan ist bald besiegt. Du brauchst nicht zu weinen.“ Das waren keine leeren Worte. Gott hatte mir diesen Glauben gegeben.

Als die Polizei mich im Februar des folgenden Jahres freiließ, brachte ich all meine Tagebücher aus dem Wohnheim zum Ufer des Han-Flusses und verbrannte sie, damit sie meinen Freunden nicht mehr schaden konnten. Ich wusste, dass die Polizei sie womöglich verwendet hätte, um anderen zu schaden. Mein Körper erholte sich nur langsam von den Folterungen. Ich hatte längere Zeit Blut in meinem Stuhlgang. Frau Lee, die Besitzerin des Wohnheims, und ihre Schwester halfen mir und pflegten mich mit großer Sorgfalt und Hingabe, damit ich wieder gesund wurde.

Am 15. August 1945 wurde Korea endlich von Japan befreit. Diesen Tag hatte jeder Koreaner herbeigesehnt. Es war ein Tag großer Freude. Überall auf der Halbinsel hörte man „Mansei“- Rufe und die Menschen schwangen Taegukgi-Fahnen (die erste nationale Flagge für ganz Korea).

Ich konnte mich jedoch nicht an den Feiern beteiligen. Mein Herz war todernst, denn ich konnte das schreckliche Unheil vorhersehen, das auf die koreanische Halbinsel zukommen würde. Ich ging in einen kleinen Raum, um zu beten. Bald danach wurden meine Befürchtungen wahr. Obwohl mein Heimatland von den Japanern befreit war, wurde es am 38. Breitengrad zweigeteilt. Im Norden übernahm eine kommunistische Regierung, die die Existenz Gottes leugnete, die Macht.




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