Vereinigungstheologie - Familienföderation für Weltfrieden und Vereinigung e.V. - Deutschland: FFWV Deutschland | FFWPU Germany

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Vereinigungstheologie
Eine Annäherung

von Prof. Dr. Young Oon Kim
Kurzfassung


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Gott in Seiner Schöpfung


Die Vereinigungstheologie gründet sich auf eine Deutung der Welt, in der wir leben. Alles kann von dem Prinzip der Schöpfung abgeleitet werden. Wie Emil Brunner schrieb:

"Das erste Wort der Bibel ist das Wort über den Schöpfer und seine Schöpfung ... in der Tat, wenn man richtig versteht, was die Bibel mit dem Schöpfer meint, hat man die ganze Bibel richtig verstanden. "


Das bedeutet, dass wir das Wesen Gottes verstehen können, wenn wir das Universum aus einer spirituellen Perspektive untersuchen.

Um Paulus zu zitieren:
"Damit, dass Gottes unsichtbares Wesen, das ist seine ewige Kraft und Gottheit, wird ersehen, so man des wahrnimmt, an den Werken, nämlich an der Schöpfung. . . . "  (Röm. 1:20)

Nach den "Göttlichen Prinzipien" ist der Schöpfer ein Gott des Herzens. Aus dem Studium von Philosophie, Biologie, Soziologie und Psychologie wissen wir, dass der Mensch auf unterschiedlichste Art und Weise definiert worden ist. Da heißt es, der Mensch sei ein Teil des Tierreiches oder ein vernunftbegabtes Geschöpf, oder er sei von seinem ökonomischen Hintergrund bestimmt, oder sei von seinen biologischen Trieben kontrolliert. Für die Vereinigungstheologie jedoch wird der Mensch charakterisiert durch seine Gefühle. Ein Mensch ist da, wo sein Herz ist ... Aus dem Herzen ergeben sich die Kernpunkte des Lebens. Darum ist das Herz das Wesensmerkmal des Menschen.

Wenn der Mensch so ist, dann ist auch Gott so. Gott ist ein Gott des Herzens, mit tiefen Gefühlen, mit grenzenloser Zuneigung und unerschöpflichem Wohlwollen. Während viele christliche Theologien ihre zentrale Aufmerksamkeit auf die überwältigende Macht oder die Weisheit Gottes richten, betonen die "Göttlichen Prinzipien" das göttliche Herz. Wonach beurteilen wir die essentielle Menschlichkeit im Menschen? Durch seine Freuden und Sorgen, durch das, was ihn glücklich macht oder bedrückt. Genauso bei Gott. Vor allem anderen ist Gott ein Gott des Herzens, ein Gott intensiver Gefühle, erhabener Neigungen. Für Hosea war die Beziehung des Herrn zu Israel wie die eines Ehemannes zu seiner Frau - ein Band, so stark, dass niemand es brechen konnte. Für Jesus war Gott wie der Vater des verlorenen Sohnes, dessen Herz bei der Abreise des jungen Mannes brach und der mit offenen Armen auf seine Wiederkehr wartete.



Mann und Frau

Wir wollen den Menschen noch aus einem anderen Gesichtspunkt betrachten. Die Menschheit besteht aus Männern und Frauen. Es gibt also einen maskulinen und einen femininen Aspekt in der menschlichen Existenz. Und, wie die "Women's liberationists" betonen, die Frau ist ebenso wichtig wie der Mann. Um die biblische Ausdrucksweise zu gebrauchen: das Ebenbild Gottes offenbart sich in der Polarität von Adam und Eva.

Auch das muss bei unserer Sicht von Gott mitbedacht werden. Bekanntlich ist in zeitgenössischen theologischen Kreisen eine beachtenswerte Diskussion darüber im Gange, ob das Konzept des Vater-Gottes noch ausreichend ist. In der Vergangenheit haben wir in einer männlich-dominierten Kultur gelebt. Können wir jetzt, da die Frauen ihre Rechte beanspruchen und gleiche Behandlung verlangen, noch mit einer ausschließlich männlichen Interpretation der göttlichen Natur zufrieden sein?

Jemand hat Häresie definiert als die Entdeckung irgendeines Aspektes der Wahrheit, der von der Orthodoxie übersehen oder vernachlässigt wurde. Ungefähr vor einem Jahrhundert lehrte Mary Baker Eddy die Idee vom Vater-Mutter-Gott. Obwohl ihre These im allgemeinen von der Kirche nicht ernst genommen wurde, hatte sie vielleicht Recht. jede Stufe der Schöpfung ist gekennzeichnet durch ein positives und negatives, produktives und rezeptives, maskulines und feminines Element der Polarität. Nach den Göttlichen Prinzipien repräsentieren Adam und Eva zusammen das Wesen des Menschen und offenbaren so die Realität Gottes.



Geist und Körper

Es gibt noch einen dritten Teil der Lehre von Gott in der Vereinigungstheologie. Prof. Richardson hat hervorgehoben, dass die "Göttlichen Prinzipien" von der Bedeutung der Beziehungsfähigkeit ausgehen. Wir setzen das Herz des Menschen zu dem Herzen Gottes in Beziehung und betonen außerdem die fundamentale Bezogenheit dieser Welt zur geistigen Welt. Es gibt keine starre Trennung dazwischen. Es gibt keine verschlossene Tür zwischen der irdischen und den außerirdischen Welten. Im Gegenteil: Der Mensch ist wie eine Brücke zwischen beiden Welten.

Gott schuf alle Dinge in Subjekt-Objekt-Beziehungen, Ich-Du-Beziehungen, wie Martin Buber sagt Der Mensch hat sowohl Geist als auch Körper und genauso ist die Welt. Ebenso wie die physische Welt als Umgebung für den Körper des Menschen geschaffen wurde, wurde die geistige Welt als Umgebung für seinen Geist geschaffen.

Der Mensch und das Universum sind ähnlich in ihrer Struktur, so dass der Mensch ein volles Geben und Nehmen mit der sichtbaren und ebenso mit der unsichtbaren Welt aufnehmen kann. Gott schuf den Menschen mit physischen und geistigen Sinnen, damit er Medium der Verbindung zwischen den beiden Welten sein könne. Er lebt gleichzeitig in beiden Welten. Der Mensch ist das dynamische Zentrum der Freude und Harmonie zwischen der Erde und der geistigen Welt. Er ist es, durch den sie ein Geben und Nehmen vollziehen können.

Die Vereinigungstheologie erkennt die glaubhaft bestätigten Fakten parapsychologischer Erfahrung an. Menschen sind fähig, mit Geistwesen, die keinen physischen Körper haben, in vielfältiger Weise zu kommunizieren. Auch haben sie weit öfter Kontakt mit der geistigen Welt als allgemein wahrgenommen wird. Zugegeben, diese Anerkennung übersinnlicher Wahrnehmung und paranormaler Kommunikation hebt uns ab von älteren protestantischen Theologien und herkömmlichen Kirchen. jedoch empfinden wir das eher als Vorteil und weniger als Belastung.

Wer kann das außergewöhnliche Interesse an Parapsychologie in der heutigen Zeit leugnen? Was früher "okkult" genannt wurde, ist heutzutage beliebtes Thema für die Jugend mit höherer Bildung. Aus Protest gegen den simplizistischen Rationalismus ihrer Professoren und den Mangel an geistigem Feuer in den etablierten Denominationen haben sich viele unserer jungen Erwachsenen dem fernöstlichen Mystizismus, der Astrologie, dem Yoga, der Magie und charismatischen Gruppen zugewandt. Weil sie sich nach direktem Kontakt mit der geistigen Welt sehnen, sind die Söhne und Töchter von Methodistenen-Diakonen, presbyterisnischen Ältesten und Gemeindepredigern, Zenmönche, Hare Krishna-Sänger, Schüler der Scientoligie oder Jesus-Freaks geworden.

Aus verständlichen Gründen haben die Protestantischen Kirchen der Vergangenheit das Streben nach parapsychologischen Erfahrungen missbilligt. Dies war für die Reformer des 16ten Jahrhunderts notwendig, um das Christentum von vielen oberflächlichen Glaubensinhalten und Praktiken zu reinigen, die mit dem Katholizismus im dunkelsten Mittelalter verbunden worden waren. Diese Haltung war auch für die Protestanten späterer Perioden unbedingte Voraussetzung, um sich der Aufklärung anzupassen mit ihrem Hang zu rationalem Forschen, wissenschaftlicher Einsicht und Skepsis. Jedoch der Preis, den wir für unseren Frieden mit dem Zeitalter der Vernunft bezahlt haben, war weit höher als das, was wir dafür eingetauscht hatten. Ich muss es wiederholen, die christliche Gemeinschaft muss akzeptieren, dass der Mensch mit der geistigen Welt kommunizieren kann und es auch tut.


Der gefallene Zustand des Menschen

Nach der Betrachtung des Wesens Gottes müssen wir als nächstes den Zustand des Menschen untersuchen. Wie auch orthodoxe Protestanten und Katholiken glaubt der Vereinigungstheologe, dass der biblische Bericht von Adam, Eva und der Schlange im Garten Eden eine annehmbare Darstellung des gegenwärtigen Zustandes des Menschen liefert. Wir glauben an den Sündenfall und an die Tatsache der ursprünglichen Sünde. Natürlich bedeutet das andererseits, dass die Vereinigungstheologie es nicht als ein wahres Bild vom Menschen empfindet, wenn die Theorie einiger Biologen den Menschen als Teil des Tierreiches erklärt oder ihn als Ergebnis eines unvermeidlichen Gesetzes des evolutionären Fortschrittes hinstellt. Den "Göttlichen Prinzipien" zufolge ist der Mensch ein gefallenes Geschöpf. Im allgemeinen stimmen wir hier mit der paulinischen Interpretation der menschlichen Natur überein, so wie sie von Augustinus entwickelt und formuliert wurde.

Jedoch ist unsere Exegese der Genesis-Geschichte verschieden von der konventionellen. Wie sie wissen, konnte man innerhalb und außerhalb der Kirche nur schwer die Auffassung akzeptieren, dass Gott Adam und Eva nur deswegen aus Eden vertrieben habe, weil sie ihm - indem sie die Frucht eines Baumes im Garten aßen - nicht gehorchten. Eine beachtliche Zahl Bibelgelehrter und Theologen hat öffentlich behauptet, dass der Genesis-Bericht nichts als eine primitive Legende darstelle, die in ferner Vergangenheit von den Völkern des Nahen Ostens geschaffen wurde und die heute ohne Bedeutung sei.


Eine symbolische Interpretation

Die Vereinigungstheologie zieht eine symbolische Interpretation der Garten-Eden-Geschichte vor. Was die Genesis sagt, ist in tieferem Sinne wahr, als es eine rein buchstäbliche Interpretation nahelegen würde. Liegen die Modernisten falsch, wenn sie den Bericht verwerfen, so haben die Fundamentalisten gleichermaßen Unrecht, wenn sie ihn buchstäblich interpretieren. Als Ergebnis sorgfältiger Studien de vergleichenden Mythologie sind wir heute in der Lage, die Absicht des biblischen Schreibers zu verstehen. Hinter der nahöstlichen Symbolik liegt ein tiefe Wahrheit über den Ursprung der Entfremdung des Menschen von Gott verborgen. Jedoch unterscheiden sich hier die "Göttlichen Prinzipien" wiederum von der gemeinhin akzeptierten Erklärung vom Fall. Es war nicht einfach ein Akt des Ungehorsams. Es war nicht das erste Beispiel für den Stolz des Menschen. Es war auch nicht ein Zeichen des rebellischen Versuchs des Menschen, sich selbst zum Rivalen Gottes zu erheben.


Vergleichende Religion

Die gelehrten Experten in vergleichender Religionswissenschaft haben festgestellt, dass der Bericht vom Garten Eden offensichtlich sexuelle Begriffsinhalte hat. Die Schlange ist ein wohlbekanntes Symbol der Männlichkeit- und die Frucht des Baumes der Erkenntnis des Guten und Bösen symbolisiert den weiblichen Aspekt der Zeugung. Wie Jean Cardinal Danielou, der berühmte französische Gelehrte frühen christlichen Denkens sagte: "In der Eden-Erzählung stößt man auf Materialien, die von den Fruchtbarkeitskulten der alten nahöstlichen Zivilisationen bezogen worden sind."

Diese Interpretation entspricht einer Deutung, die man sowohl in der jüdischen Literatur der intertestamentalen Periode als auch bei einigen christlichen Schreibern der nachapostolischen Zeit wiederfindet. Was Einzelheiten betrifft, möchte ich auf das Buch von Prof. F. R. Tennant verweisen: "The sources of the Doctrines of the Fall and Original Sin" oder auf mein eigenes Buch "Unification Theology and Christian Thought".

Wie die Historiker berichten, war der Sündenfall kein größeres Diskussionsthema bei den jüdischen Rabbis der vorhellenistischen Periode, aber für die Christen der paulinischen Zeit war es eine fundamentale Doktrin. Auf jeden Fall ist anhand von Dokumenten belegbar, dass in den zwei Jahrhunderte vor der Niederschrift des Neuen Testamentes und den zwei Jahrhunderten vor dem Konzil von Nizza die sexuelle Interpretation des Sündenfalles eine der Erklärungen war, die in Rabbiner- und Christenkreisen zirkulierten.

Vielleicht mögen Sie jetzt fragen, warum diese Interpretation nicht autorisiert wurde. Warum zog Augustinus es vor, die ursprüngliche Sünde als Ungehorsam, Stolz und Rebellion zu erklären? Wir haben keine Möglichkeit, eine sichere Antwort auf solche Fragen zu geben, aber man kann doch einig vernünftige Vermutungen anstellen. Die frühere Kirche musste die Gnostiker widerlegen, die das Fleisch mit dem Bösen identifizierten, und zweifellos hätte eine sexuelle Erklärung von Genesis 2 missbraucht werden können, um den gnostischen Dualismus noch mehr zu unterstützen.

Auch förderte die Augustinische Definition der ursprünglichen Sünde - als Ungehorsam, Stolz und Rebellion - die Tugenden des Gehorsams, der Demut und der Unterwerfung zu einer Zeit, in der da römische Reich sich in der Gefahr des Zerfalls befand. Was die Reformer des 16. Jahrhunderts betrifft, wollten sie bei ihrem Versuch, zur Schrift zu rückzukehren, wohl kaum etwas finden, was ihr Angriffe auf das klerikale Zölibat und das Mönchtum hätte schwächen können.

Was noch bedeutender ist, hilft uns nicht die sexuelle Erklärung der ursprünglichen Sünde, die heikle Lage des Menschen zu verstehen. Seit den Tagen von Freud haben Psychiatrie und Psychotherapie die destruktive Kraft missbrauchter Liebe aufgezeigt. Sicherlich liegt hier die Krankheit, die die menschlichen Beziehungen vergiftet und den Menschen von Gott trennt. Sie richtet die Familie zugrunde. Sie verzerrt die reinen Beziehungen zwischen Männern und Frauen. Sie ist ein dominierender Faktor bei weitverbreiteten sozialen Problemen wie Jugendkriminalität, Alkoholismus, Drogenabhängigkeit, Missachtung von Recht und Gesetz usw. Gibt es eine bessere Erklärung für die Aggressivität, die Frustration, den Hass und die innere Verzweiflung, die die Menschheit so fürchterlich bedrängen, die die Gesellschaft spalten und den Menschen von seinem Schöpfer entfremden?

In der Tat kann man auf der Grundlage einer solchen Exegese der Garten-Eden-Erzählung erkennen, warum das Laster sexueller Gier die Quelle aller anderen menschlichen Übel ist, eine Tatsache, die die traditionelle katholische Ethik schon immer herausgestellt hat.


Ziel der Schöpfung

Trotz der ererbten Neigung des Menschen zu sündigen hat Gott ein Ziel der Schöpfung und ist entschlossen, es zu verwirklichen. Um eines meiner früheren Bücher zu zitieren: "Das Wort wurde Mensch, ein sichtbares Ebenbild Gottes. Indem er Sein ganzes Wesen in Seine Werke projizierte, brachte Gott den Menschen hervor, um Sein unsichtbares Selbst in Form eines sichtbaren und fassbaren Ebenbildes zu manifestieren. So schuf Gott den Menschen, um Freude zu fühlen". ( aus "Divine Principle and its Application" S. 11 )

Die Erlösungslehre der Vereinigungstheologie entspringt einem Vers in der Genesis. Nachdem Gott Adam und Eva geschaffen hatte, segnete Er sie und sagte: "Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan, und herrschet (l. Mose 1:28)


Wir finden in diesem Text drei Segnungen. Gottes erste Segnung: "Seid fruchtbar" bedeutet, dass jeder Einzelne Körper und Geist vereinigen sollte, indem er sein Leben auf Gott ausrichtet. Durch die Erfüllung dieser Segnung wird jede Person ihrem Schöpfer ähnlich. So wird der Mensch ein vollkommenes Einzelwesen und ein substantielles Objekt, an dem sich Gott erfreuen kann. In einem Referat, das die östlichorthodoxen Theologen für die Nairobi-Versammlung des Weltkirchenrates vorbereitet hatten, erinnerten sie die Delegierten anderer Denominationen daran, dass das Ziel des Menschen und die Bedeutung der Erlösung in der Doktrin gefunden werden kann, die "Theosis" genannt wird. Letztendlicher Zweck des Menschen sei es, die Einheit mit Gott zu verwirklichen.

Die zweite Segnung, die Vermehrung, wird erfülIt, wenn ein vervollkommneter Mann und eine vervollkommnete Frau sich vereinigen und Kinder hervorbringen. Für die Vereinigungstheologie ist die Familie die fundamentale Einheit der Gesellschaft. Primäre Aufgabe der Vorsehung ist daher, das Fundament der Familie zu errichten - mit Gott als Mittelpunkt. Diese Grundlage der vier Positionen Gott, Ehemann, Ehefrau und Kinder - spiegelt Gott in vollständiger Weise wider als die individuelle Vollkommenheit und wird somit zum Objekt größerer Freude für Gott. Der Judaismus hat daher von den Zeiten des alten Testamentes bis heute zu Recht die zentrale Stellung der Familie betont. Wegen Adams Fall war die erste Familie mehr auf Satan als auf Gott zentriert. Wiederherstellung bedeutet daher Neuaufbau des Familienlebens auf der Grundlage der Hingabe an Gott.

Die dritte Segnung bezieht sich auf die Herrschaft des Menschen über die gesamte Schöpfung. Wenn der Mensch das Geben und Nehmen mit der Schöpfung mit Gott als Mittelpunkt aufgenommen hat, gewinnt er die Herrschaft über die Schöpfung als ihr Herr. Da es heutzutage viele Proteste wegen der rücksichtslosen Ausbeutung der natürlichen Welt durch den Menschen gibt, muss betont werden, dass "Herrschaft" nur bedeuten kann, dass der Mensch alle Dinge mit Gottes Liebe und Macht regiert, so dass alle Dinge dem Menschen gegenüber ihre Schönheit und ihren Dienst entfalten können. Dadurch, dass er seine Liebe und sein schöpferisches Talent an alle Dinge weitergibt, befähigt diese kosmische Grundlage der vier Positionen den Menschen, das Abbild Gottes in einem ausgedehnteren Bereich zu manifestieren und Gott Freude zu bringen. Weil unsere Produktivität auf einer Ich-Du-Beziehung zwischen uns selbst und der Natur aufgebaut ist, freut sich Gott und der Mensch wird glücklich. Darum sollte Arbeit etwas Fröhliches und Heiliges sein "eine heilige Berufung" wie die Puritaner sagen würden.

Der Gott des Herzens schuf den Menschen so, dass er die Freude des vollkommenen Gebens und Nehmens erfahren kann. Die Schöpfung offenbart die Sehnsucht Gottes, geliebt zu werden. Aber der Mensch hat seinem Schöpfer den Rücken zugekehrt, er hat sich vor Gott versteckt, hat ihn zurückgestoßen und ist aus seiner Anwesenheit geflohen. Können Sie sich vorstellen, was Gott da angetan wurde? Denken Sie an Sein Leid, Seine Traurigkeit, Seine Qual. Der Schöpfer all dessen, was ist, ist zu einem Gott des gebrochenen Herzens geworden, wie Jesus in seinem berühmten Gleichnis lehrte. Gott ist wie der Vater des verlorenen Sohnes. Gott sehnt sich danach, dass Sein geliebtes Kind nach Hause zurückkommt. Tag für Tag wartet Er an der Tür und sucht am fernen Horizont in der Hoffnung, Sein Kind zurückkommen zu sehen. Nacht für Nacht, ein Jahrhundert nach dem anderen ist schmerzende Einsamkeit und Leere im göttlichen Herzen, weil der verlorene Sohn in einem fernen Land ist.

Die Vereinigungstheologie wagt es sogar, eine noch kühnere Analogie vorzuschlagen. Gott ist der Liebende und wir sind geschaffen, seine Geliebten zu sein. Die großen Schriftsteller und Dichter haben immer gesagt, dass es nichts Tieferes und Befriedigenderes gibt als die vollkommene Einheit eines Mannes und einer Frau, die Vertrautheit zweier Ehepartner. Wiederherstellung, Neuschöpfung oder Erlösung bedeutet dann, dass Gott den Menschen umarmt und sich in der heiligen Ehe mit dem Menschen vereinigt. Bevor Gott und der Mensch nicht die höchste Freude von Braut und Bräutigam erfahren, wird die letzte Erfüllung des ehelichen Glückes, wird das Ziel der Schöpfung nicht verwirklicht sein.



Jesus und Christologie

Nachdem wir das Wesen Gottes, die Sündigkeit des Menschen und das Ziel der Schöpfung behandelt haben, müssen wir nun die Mission Jesu und die Bedeutung der Christologie betrachten. Für eine große Anzahl Bibelgelehrter und auch für die Vereinigungstheologen ist der Schlüssel zum Neuen Testament in der Antwort Petri zu finden, die er auf die Frage Jesu gab: "Wer, sagt ihr, dass ich bin? " Petrus spricht stellvertretend für alle jünger und antwortet: "Du bist der Christus". Den "Göttlichen Prinzipien" entsprechend war Jesus von Gott berufen, von Ihm gesalbt und beauftragt, die messianische Mission durchzufahren. Aber was heißt es denn eigentlich, der Christus zu sein? Dazu ein Zitat eines jüdischen Gelehrten:

"Die jüdische geistige Wiederbelebung, die den Erfahrungen der Nation mit Antiochus und seinen Nachfolgern folgte, brachte ein erneuertes Bewusstsein für Israels Bestimmung und Mission hervor. Die prophetische Vision der letztendlichen Brüderlichkeit des Menschen unter der Herrschaft des einen Gottes und Vaters aller Menschen wurde verbunden mit einem göttlichen Plan zu ihrer Verwirklichung gesehen .... Die Theokratie Israels würde die überzeugende Illustration einer Welt-Theokratie sein."
( H. J. Schonfield, "Those incredible Christians" S. 32 )

Da die Juden die messianische Hoffnung so lang bewahrt haben, besitzen sie ein klares Verständnis davon, was sie bedeutet - was sie vor der Geburt des Christentums bedeutete und was es für die bedeutete, die Jesus hörten. Dem Evangelisten Markus zufolge predigten Jesus und Johannes der Täufer: "Tut Buße, das Himmelreich ist nahe herbeigekommen." Jüdische Gelehrte sind ungewöhnlich einmütig in ihrer Forderung, dass die Herrschaft Gotte eher diesseitig als jenseitig sein sollte. Jesus hätte dem zugestimmt. Er lehrte seine Jünger zu beten: "Dein Reich komme, Dein Wille geschehe auf Erden......" Jesus hatte den Auftrag, die Herrschaft Gottes in dieser Welt zu errichten. Sein Konzept vom Reich Gottes war nicht auf das Glück im Hirnmel gerichtet.



Der historische Jesus

Mehr als eineinhalb Jahrhunderte waren die neu testamentlichen Gelehrten auf der Suche nach de historischen Jesus. In dieser Periode war es da Hauptanliegen, das "Menschsein des Meisters" aufzudecken (um den Ausdruck von Dr. Harry Emerson Fosdick zu gebrauchen ). In unserer Zeit waren einige der hilfreichsten Studien auf diesem die Bücher über die Beziehung Jesu zu dem prophetischen Judaismus, über seine Beziehung zu den sektenähnlichen jüdischen Bewegungen, wie sie von de Gemeinde am Toten Meer repräsentiert werden, und über seine Beziehung zu den zelotischen Freiheitskämpfern. All diese Gruppen entsprangen, wen auch in den verschiedensten Formen, dem apokalyptischen und eschatologischen Milieu im Palästina des 1. Jahrhunderts. Man mag über die Details streiten, doch die Forschung nach dem historischen Jesus bedeutet, dass er ein Mann war, dessen messianische Rolle die Errichtung des Reiches Gottes auf Erden einschloss.

Auf was bezieht sich dann die Rolle des Messias? Sie bezieht sich darauf, die Macht Satans auf Erden zu brechen. Sie bezieht sich darauf, den Menschen von satanischer Kontrolle zu befreien. Sie bezieht sich darauf, das Reich des Dunkels zu verbannen und unsere Welt mit göttlichem Licht zu erhellen. Um einen traditionellen katholischen Ausdruck zu gebrauchen ( der auch einmal im protestantischen Bereich üblich war ), Reich Gottes heißt: "Christus Rex" ( Christus, der König ) und "Christus Victor" ( Christus, der Sieger ) .

Wenn das die Rolle des Messias ist, für Juden, für die Jünger und für Jesus, dann ist offensichtlich, dass Jesus starb, bevor diese Mission erfüllt werden konnte. Für die Juden war Jesus nicht der Messias, weil er nicht das messianische Zeitalter herbeibrachte. Auch für orthodoxe Christen hat Jesus das Reich Gottes nicht zu Lebzeiten eingeleitet, sondern sein irdisches Leben war nur ein Vorgeschmack des messianischen Zeitalters, das, wie sie sagen, in der Zukunft kommen soll. Wir haben nicht die Zeit, zu zeigen, was aus der Stimmung eschatologischer Erwartung, die die Christenheit des Neuen Testamentes charakterisierte, geworden ist. Der Basler Martin Werner hat in diesem Zusammenhang eine aufschlussreiche Studie verfasst, die zeigt, wie die "Entstehung des christlichen Dogmas" eigentlich Geschichte einer graduellen De-Eschatologisierung der ursprünglichen Botschaft Christi ist.



Apokalyptisches Denken

Nach dem Ersten und mehr noch nach dem Zweiten Weltkrieg erfuhr die Christenheit eine Wiederbelebung des apokalyptischen Denkens und der eschatologischen Hoffung. Die Vereinigungstheologie fordert die Christen heraus, sich auf die Wiederkunft Christi vorzubereiten. Wir wiederholen die Botschaft Jesu: "Tut Buße, das Himmelreich ist nahe herbeigekommen! " Man braucht nicht besonders hervorzuheben, dass es zahlreiche Kritiken an der Ankündigung der "Göttlichen Prinzipien" von der unmittelbar bevorstehenden Ankunft des Messias gegeben hat.

Diese Kritik kam von den Fundamentalisten, die sagen, wir leugneten ab, dass Jesus schon das Werk der Erlösung vollbracht hat. Kritik kommt auch von den Kirchenleuten, die glauben, dass das Reich schon verwirklicht sei in der sakramentalen Gnade, die durch den Sühnetod Jesu Christi ermöglicht wurde. Und schließlich kommt Kritik von denen, die ableugnen, dass wir überhaupt jemals das Kommen des Reiches Gottes erwarten können.

Viele hingebungsvolle Christen scheinen sich jedoch zu erregen, weil sie empfinden, dass wir, weil wir für den Messias, der kommen soll, beten und arbeiten, das Werk von Jesus von Nazareth herabsetzen. Dies bestreiten wir. Wie könnte man die zahlreichen Beiträge Jesu zur geistigen Bereicherung der Menschheit übersehen?

Wenn Sie in die Kirchengeschichte zurückblicken, werden sie entdecken, dass nahezu jeder Gründer einer neuen Bewegung im Christentum als Antichrist denunziert wurde. Untersuchen Sie jedoch die Standard-Kommentare der Gelehrten zum Buch der Offenbarung, dann werden Sie finden, dass jüdische und christliche apokalyptische Literatur den Antichrist als unterdrückerische, politische Macht identifiziert, die versucht, den Thron Gottes an sich zu reißen. Die jüdische Apokalyptik lehrt, dass "der Greuel des Elends" ( "the abomination of desolation" ) jemand sein wird wie der Eroberer Antiochus Epiphanes, der den Tempel entwürdigte und ein Schwein auf dem Altar des Berges Zion opferte. Dagegen identifizieren die christlichen Apokalypsen den Antichrist mit römischen Imperatoren wie Nero, Caligula oder Domitian, die die Heiligen verfolgten und beanspruchten, selbst ein Gott zu sein.



Identifizierung des Antichrist

Der biblischen Gewohnheit folgend sieht die Vereinigungstheologie den Antichrist im politischen Diktator, der sich zum atheistischen Materialismus bekennt und die Menschen dem Terror des totalitären Staates unterwirft. Wollen Sie die Fußspuren des Antichrist sehen? Wer baut eine Mauer um seinen Herrschaftsbereich und erschießt die, die zu entkommen versuchen? Wer schickt Wissenschaftler und Schriftsteller in die Arbeitslager? Wer verurteilt Dissidenten und steckt sie in Nervenheilanstalten? Wer tritt die Religionsfreiheit mit Füßen und verweigert Menschenrechte? Wer beansprucht die absolute Autorität des Staates und massakriert Millionen, um an der Macht zu bleiben? Wer ist der Nero, der Caligula, der Domitian in unserer Zeit? So ist also der Antichrist nicht unter den zahlreichen kontroversen oder vielgeschmähten religiösen Minderheiten unserer Tage zu finden, wie manche Prediger Sie glauben machen wollen.

Der kommende Christus, So lehrt die Vereinigungstheologie, wird als Mensch kommen, wie ein Mensch leben, als Mensch gegen Satan kämpfen und ihn schließlich unterwerfen. Im ersten Jahrhundert erwarteten die Menschen einen übernatürlichen Messias, eine übermenschliche Figur, als Führer einer Armee von Engeln. Statt dessen sandte Gott Jesus, den Sohn eines Zimmermannes. Auch in unserem Zeitalter erwarten fundamentalistische Prediger einen Besucher von den Wolken. Aber der Herr der Wiederkunft wird kommen wie Jesus - mit der Opferbereitschaft Jesu, als jemand, der sich so für die Errichtung des Reiches Gottes hingeben wird, dass er Satan vollkommen unterwerfen, das ganze Universum wiederherstellen und Gott die Freude des Sieges überbringen wird. Wir glauben, dass in unserer Zeit alles für Gott bereit ist, einen anderen zu salben, damit die unvollendete Arbeit Jesu abgeschlossen werden kann.

Woran erkennen wir, dass unser Zeitalter das der Verheiß ist? Christen aller Richtungen haben Schritt für Schritt gelernt, wie sie als eine Familie Gottes zusammen leben und arbeiten sollen. Alle Weltreligionen wagen das Abenteuer, aufeinander zuzugehen, sich gegenseitig zu verstehen und gemeinsam ihre Hilfe anzubieten. Die jahrhundertealten Feindseligkeiten zwischen Wissenschaft und Religion schwinden. Die technologische Revolution hat sich über den Erdkreis ausgebreitet und bietet zum ersten Mal allen Menschen die Gelegenheit, in gewissem Wohlstand zu leben.
Befreiungsbewegungen verschiedenster Art gewinnen an Stärke, so dass alle Männer und Frauen an der Freiheit der Kinder Gottes teilhaben können.

Am bedeutendsten aber: der Geist Gottes wirkt in der Welt, und inspiriert Leute, danach zu fragen, was Religion im tiefsten Sinne bedeutet. Eine geistige Wiederbelebung innerhalb und außerhalb der Kirchen breitet sich aus.
Lassen Sie mich mit einem Spruch von Jesus enden:

"An dem Feigenbaum lernet ein Gleichnis. Wenn sein Zweig jetzt saftig wird und Blätter gewinnt, so wisst ihr, dass der Sommer nahe ist. Also auch wenn ihr das alles sehet, so wisset, dass es nahe vor der Tür ist. " (Matth. 24:32-33)

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Über die Autorin:

Frau Young Oon Kim (1914-1989) erhielt den Doktor-Titel von der Kwansei Gakuin Univerität in Japan, wo sie am Methodistischen Seminar studierte. Später assistierte sie am "Emmanuel-College" an der Universität Toronto. Diese Grundlagen bildeten die Voraussetzung für ihre langjährige Professur an der Ehwa-Frauenuniversität in Seoul. Sie hat sich Zeit ihres Lebens darum bemüht, die religiösen Wahrheiten des Ostens und des Westens zu analysieren und gemeinsame Wurzeln herauszufinden. Sie war an verschiedenen ökumenischen Konferenzen in Europa beteiligt und gab mehrere Vorlesungen auf ihren Reisen durch die Vereinigten Staaten. Sie besaß eine Professur für Systematische Theologie und Weltreligionen am "Unification Theological Seminary" in Barrytown, NY. Dr. Kim war Mitglied der Vereinigungskirche. Unter ihren früheren Werken kommt "Divine Principle and its Application" und "Unification Theologiy and Christian Thougt" eine besondere Bedeutung zu.

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