Vereinigungstheologie - Jesus - Familienföderation für Weltfrieden und Vereinigung e.V. - Deutschland: FFWV Deutschland | FFWPU Germany

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Aus:
Vereinigungstheologie - Eine Annäherung
von Prof Dr. Young Oon Kim
Kurzfassung


weitere Informationen und vorausgehende Abschnitte dieses Textes finden Sie hier

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Jesus und Christologie


Nachdem wir das Wesen Gottes, die Sündigkeit des Menschen und das Ziel der Schöpfung behandelt haben, müssen wir nun die Mission Jesu und die Bedeutung der Christologie betrachten. Für eine große Anzahl Bibelgelehrter und auch für die Vereinigungstheologen ist der Schlüssel zum Neuen Testament in der Antwort Petri zu finden, die er auf die Frage Jesu gab: "Wer, sagt ihr, dass ich bin? " Petrus spricht stellvertretend für alle Jünger und antwortet: "Du bist der Christus". Den "Göttlichen Prinzipien" entsprechend war Jesus von Gott berufen, von Ihm gesalbt und beauftragt, die messianische Mission durchzuführen. Aber was heißt es denn eigentlich, der Christus zu sein? Dazu ein Zitat eines jüdischen Gelehrten:
"Die jüdische geistige Wiederbelebung, die den Erfahrungen der Nation mit Antiochus und seinen Nachfolgern folgte, brachte ein erneuertes Bewusstsein für Israels Bestimmung und Mission hervor. Die prophetische Vision der letztendlichen Brüderlichkeit des Menschen unter der Herrschaft des einen Gottes und Vaters aller Menschen wurde verbunden mit einem göttlichen Plan zu ihrer Verwirklichung gesehen .... Die Theokratie Israels würde die überzeugende Illustration einer Welt-Theokratie sein." ( H. J. Schonfield, "Those incredible Christians" S. 32 )

Da die Juden die messianische Hoffnung so lang bewahrt haben, besitzen sie ein klares Verständnis davon, was sie bedeutet - was sie vor der Geburt des Christentums bedeutete und was es für die bedeutete, die Jesus hörten. Dem Evangelisten Markus zufolge predigten Jesus und Johannes der Täufer: "Tut Buße, das Himmelreich ist nahe herbeigekommen." Jüdische Gelehrte sind ungewöhnlich einmütig in ihrer Forderung, dass die Herrschaft Gottes eher diesseitig als jenseitig sein sollte. Jesus hätte dem zugestimmt. Er lehrte seine Jünger zu beten: "Dein Reich komme, Dein Wille geschehe auf Erden......" Jesus hatte den Auftrag, die Herrschaft Gottes in dieser Welt zu errichten. Sein Konzept vom Reich Gottes war nicht auf das Glück im Hirnmel gerichtet.


Der historische Jesus

Mehr als eineinhalb Jahrhunderte waren die neutestamentlichen Gelehrten auf der Suche nach dem historischen Jesus. In dieser Periode war es das Hauptanliegen, das "Menschsein des Meisters" aufzudecken (um den Ausdruck von Dr. Harry Emerson Fosdick zu gebrauchen). In unserer Zeit waren einige der hilfreichsten Studien die Bücher über die Beziehung Jesu zu dem prophetischen Judaismus, über seine Beziehung zu den sektenähnlichen jüdischen Bewegungen, wie sie von der Gemeinde am Toten Meer repräsentiert werden, und über seine Beziehung zu den zelotischen Freiheitskämpfern. All diese Gruppen entsprangen, wen auch in den verschiedensten Formen, dem apokalyptischen und eschatologischen Milieu im Palästina des 1. Jahrhunderts. Man mag über die Details streiten, doch die Forschung nach dem historischen Jesus bedeutet, dass er ein Mann war, dessen messianische Rolle die Errichtung des Reiches Gottes auf Erden einschloss.

Auf was bezieht sich dann die Rolle des Messias? Sie bezieht sich darauf, die Macht Satans auf Erden zu brechen. Sie bezieht sich darauf, den Menschen von satanischer Kontrolle zu befreien. Sie bezieht sich darauf, das Reich des Dunkels zu verbannen und unsere Welt mit göttlichem Licht zu erhellen. Um einen traditionellen katholischen Ausdruck zu gebrauchen (der auch einmal im protestantischen Bereich üblich war ), Reich Gottes heißt: "Christus Rex" ( Christus, der König ) und "Christus Victor" ( Christus, der Sieger ) .

Wenn das die Rolle des Messias ist, für Juden, für die Jünger und für Jesus, dann ist offensichtlich, dass Jesus starb, bevor diese Mission erfüllt werden konnte. Für die Juden war Jesus nicht der Messias, weil er nicht das messianische Zeitalter herbeibrachte. Auch für orthodoxe Christen hat Jesus das Reich Gottes nicht zu Lebzeiten eingeleitet, sondern sein irdisches Leben war nur ein Vorgeschmack des messianischen Zeitalters, das, wie sie sagen, in der Zukunft kommen soll. Wir haben nicht die Zeit, zu zeigen, was aus der Stimmung eschatologischer Erwartung, die die Christenheit des Neuen Testamentes charakterisierte, geworden ist. Der Basler Martin Werner hat in diesem Zusammenhang eine aufschlussreiche Studie verfasst, die zeigt, wie die "Entstehung des christlichen Dogmas" eigentlich Geschichte einer graduellen De-Eschatologisierung der ursprünglichen Botschaft Christi ist.


Apokalyptisches Denken

Nach dem Ersten und mehr noch nach dem Zweiten Weltkrieg erfuhr die Christenheit eine Wiederbelebung des apokalyptischen Denkens und der eschatologischen Hoffung. Die Vereinigungstheologie fordert die Christen heraus, sich auf die Wiederkunft Christi vorzubereiten. Wir wiederholen die Botschaft Jesu: "Tut Buße, das Himmelreich ist nahe herbeigekommen! "
Man braucht nicht besonders hervorzuheben, dass es zahlreiche Kritiken an der Ankündigung der "Göttlichen Prinzipien" von der unmittelbar bevorstehenden Ankunft des Messias gegeben hat.

Diese Kritik kam von den Fundamentalisten, die sagen, wir leugneten ab, dass Jesus schon das Werk der Erlösung vollbracht hat. Kritik kommt auch von den Kirchenleuten, die glauben, dass das Reich schon verwirklicht sei in der sakramentalen Gnade, die durch den Sühnetod Jesu Christi ermöglicht wurde. Und schließlich kommt Kritik von denen, die ableugnen, dass wir überhaupt jemals das Kommen des Reiches Gottes erwarten können.

Viele hingebungsvolle Christen scheinen sich jedoch zu erregen, weil sie empfinden, dass wir, weil wir für den Messias, der kommen soll, beten und arbeiten, das Werk von Jesus von Nazareth herabsetzen. Dies bestreiten wir. Wie könnte man die zahlreichen Beiträge Jesu zur geistigen Bereicherung der Menschheit übersehen?

Wenn Sie in die Kirchengeschichte zurückblicken, werden sie entdecken, dass nahezu jeder Gründer einer neuen Bewegung im Christentum als Antichrist denunziert wurde. Untersuchen Sie jedoch die Standard-Kommentare der Gelehrten zum Buch der Offenbarung, dann werden Sie finden, dass jüdische und christliche apokalyptische Literatur den Antichrist als unterdrückerische, politische Macht identifiziert, die versucht, den Thron Gottes an sich zu reißen. Die jüdische Apokalyptik lehrt, dass "der Greuel des Elends" ("the abomination of desolation" ) jemand sein wird wie der Eroberer Antiochus Epiphanes, der den Tempel entwürdigte und ein Schwein auf dem Altar des Berges Zion opferte. Dagegen identifizieren die christlichen Apokalypsen den Antichrist mit römischen Imperatoren wie Nero, Caligula oder Domitian, die die Heiligen verfolgten und beanspruchten, selbst ein Gott zu sein.


Identifizierung des Antichrist

Der biblischen Gewohnheit folgend sieht die Vereinigungstheologie den Antichrist im politischen Diktator, der sich zum atheistischen Materialismus bekennt und die Menschen dem Terror des totalitären Staates unterwirft. Wollen Sie die Fußspuren des Antichrist sehen? Wer baut eine Mauer um seinen Herrschaftsbereich und erschießt die, die zu entkommen versuchen? Wer schickt Wissenschaftler und Schriftsteller in die Arbeitslager? Wer verurteilt Dissidenten und steckt sie in Nervenheilanstalten? Wer tritt die Religionsfreiheit mit Füßen und verweigert Menschenrechte? Wer beansprucht die absolute Autorität des Staates und massakriert Millionen, um an der Macht zu bleiben? Wer ist der Nero, der Caligula, der Domitian in unserer Zeit? So ist also der Antichrist nicht unter den zahlreichen kontroversen oder vielgeschmähten religiösen Minderheiten unserer Tage zu finden, wie manche Prediger Sie glauben machen wollen.

Der kommende Christus, So lehrt die Vereinigungstheologie, wird als Mensch kommen, wie ein Mensch leben, als Mensch gegen Satan kämpfen und ihn schließlich unterwerfen. Im ersten Jahrhundert erwarteten die Menschen einen übernatürlichen Messias, eine übermenschliche Figur, als Führer einer Armee von Engeln. Statt dessen sandte Gott Jesus, den Sohn eines Zimmermannes. Auch in unserem Zeitalter erwarten fundamentalistische Prediger einen Besucher von den Wolken. Aber der Herr der Wiederkunft wird kommen wie Jesus - mit der Opferbereitschaft Jesu, als jemand, der sich so für die Errichtung des Reiches Gottes hingeben wird, dass er Satan vollkommen unterwerfen, das ganze Universum wiederherstellen und Gott die Freude des Sieges überbringen wird. Wir glauben, dass in unserer Zeit alles für Gott bereit ist, einen anderen zu salben, damit die unvollendete Arbeit Jesu abgeschlossen werden kann.

Woran erkennen wir, dass unser Zeitalter das der Verheiß ist? Christen aller Richtungen haben Schritt für Schritt gelernt, wie sie als eine Familie Gottes zusammen leben und arbeiten sollen.
Alle Weltreligionen wagen das Abenteuer, aufeinander zuzugehen, sich gegenseitig zu verstehen und gemeinsam ihre Hilfe anzubieten.

Die jahrhundertealten Feindseligkeiten zwischen Wissenschaft und Religion schwinden.
Die technologische Revolution hat sich über den Erdkreis ausgebreitet und bietet zum ersten Mal allen Menschen die Gelegenheit, in gewissem Wohlstand zu leben.

Befreiungsbewegungen verschiedenster Art gewinnen an Stärke, so dass alle Männer und Frauen an der Freiheit der Kinder Gottes teilhaben können.

Am bedeutendsten aber: der Geist Gottes wirkt in der Welt, und inspiriert Leute, danach zu fragen, was Religion im tiefsten Sinne bedeutet. Eine geistige Wiederbelebung innerhalb und außerhalb der Kirchen breitet sich aus.
Lassen Sie mich mit einem Spruch von Jesus enden:

"An dem Feigenbaum lernet ein Gleichnis. Wenn sein Zweig jetzt saftig wird und Blätter gewinnt, so wisst ihr, dass der Sommer nahe ist. Also auch wenn ihr das alles sehet, so wisset, dass es nahe vor der Tür ist. " (Matth. 24:32-33)


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Buchtipp:
Vereinigungstheologie
-
von Young Oon Kim


erhältlich im Kando-Verlag


erste deutsche Auflage 1978
Herausgeber: Vereinigungskirche e.V.


Über die Autorin:
Frau Young Oon Kim (1914-1989) erhielt den Doktor-Titel von der Kwansei Gakuin Univerität in Japan, wo sie am Methodistischen Seminar studierte. Später assistierte sie am "Emmanuel-College" an der Universität Toronto. Diese Grundlagen bildeten die Voraussetzung für ihre langjährige Professur an der Ehwa-Frauenuniversität in Seoul. Sie hat sich Zeit ihres Lebens darum bemüht, die religiösen Wahrheiten des Ostens und des Westens zu analysieren und gemeinsame Wurzeln herauszufinden. Sie war an verschiedenen ökumenischen Konferenzen in Europa beteiligt und gab mehrere Vorlesungen auf ihren Reisen durch die Vereinigten Staaten. Sie besaß eine Professur für Systematische Theologie und Weltreligionen am "Unification Theological Seminary" in Barrytown, NY. Dr. Kim war Mitglied der Vereinigungskirche. Unter ihren früheren Werken kommt "Divine Principle and its Application" und "Unification Theologiy and Christian Thougt" eine besondere Bedeutung zu.


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