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"Nicht nur in Bethlehem geboren"

Vortrag von Heinz Krcek, Theologe, auf der Weihnachtsfeier der Salzburger Familienföderation am 13. Dezember 2015


Heinrich Böll, einer der bedeutendsten deutschen Schriftsteller der Nachkriegszeit und Nobelpreisträger von 1972 schildert in der Satire „Nicht nur zur Weihnachtszeit“ die Leiden einer Familie, weil die demente und dominante Großmutter darauf bestand, jeweils am 24. jedes Monats mit allem Drum und Dran Weihnachten zu feiern. Sie hatte alle verfügbaren Mitglieder der Großfamilie derart unter Druck gesetzt, dass es niemand wagte, ihr zu widersprechen. Alle mussten dieses grausame Weihnachts-Spiel mitspielen, koste es, was es wolle.

Angesichts dessen, was aus diesem Gedenktag geworden beziehungsweise rund um ihn entstanden ist, kann man nur mehr sprachlos dastehen, den Kopf schütteln und stumm die Frage stellen: „War ’s das? Ist es das? “

Seit Jahrhunderten wird sowohl von Protestanten als auch katholischen Christen die Geburt Christi vorwiegend als Familienfest begangen. 1535 hatte Martin Luther den Brauch des Schenkens vom Nikolaustag auf den Gedenktag der Geburt Jesu verlegt, um die Christen seiner Zeit von der Heiligenverehrung abzubringen. Man mag sich fragen, ob ihm das gelungen ist. Der Nikolaus wurde an der Vordertür hinauskomplimentiert, ist aber wenig später bei der Hintertür mit seinem Rentierschlitten als Weihnachtsmann vorgefahren und herein geschlichen, um sich erneut das Feld des Feierns und Schenkens zu erobern.

Ein wenig erinnert das Weihnachtsfest mit seinen vielen Lichtern auch an das jüdische Chanukka-Fest (an das Lichterfest), das ursprünglich zu Hause in den Familien gefeiert wurde. Ein zentrales Ritual ist das Anzünden des Chanukka-Leuchters mit seinen 8 Kerzen: Jeden Tag wird eine eine weitere Kerze entflammt, wobei Gebete gesprochen und Geschichten vorgelesen werden. Die Kinder bekommen Geschenke und Süßigkeiten, es wird ausgelassen mit Freunden gefeiert und natürlich auch gegessen. In diesem Jahr ist heute, der 13. Dezember, der letzte, der 8. Tag des Festes.

In den ersten zwei Jahrhundert hatten die Christen im Römischen Reich unbeschreibliches Leid unter der Verfolgung durch die Machthaber jener Zeit zu erdulden. An eine ausgedehnte Feier der Geburt Christi war da wahrscheinlich nicht zu denken. Zum anderen war den Urchristen ein Geburtsdatum einerseits unbekannt und andererseits unwichtig. Erst im 4. Jahrhundert ist in Rom die Feier der Geburt Christi belegt. Dass es gerade der 25. Dezember war und ist, mag seinen Grund darin haben, dass Kaiser Aurelian im Jahr 274 diesen Tag als einen reichsweiten Festtag für den römischen Sonnengott festgelegt hatte. Das ist in unseren Breiten, also auf der nördlichen Hemisphäre ganz verständlich. Die Straßen und Plätze während der finsteren Nachtstunden künstlich zu erhellen war in jenen Zeiten technisch nicht gut möglich. Da die Tage wieder länger werden, die langen Nächte zu Ende sind, konnte man sich sicher sein, dass die Sonne, der Sonnengott seinen Sieg davongetragen hat.

Nun war aber für die ersten Christen, in Anlehnung an den Propheten Maleachi (3,20) Christus die wahre Sonne. Dort heißt es:

Für euch aber, die ihr meinen Namen fürchtet, wird die Sonne der Gerechtigkeit aufgehen und ihre Flügel bringen Heilung. Ihr werdet hinausgehen und Freudensprünge machen, wie Kälber, die aus dem Stall kommen.


Es ging und geht um das Licht der Wahrheit, der Gerechtigkeit, um den Frieden für alle Menschen. So wie die eine Sonne für alle strahlt und Licht und Wärme spendet, so ist Jesus, der Messias, der Heilsbringer für die ganze Menschheit. Und so wie niemand die Sonne für sich vereinnahmen kann, keine Einzelperson, keine Familie, keine Nation, kein Erdteil, so kann auch niemand den Messias als seinen Besitz, als sein Privateigentum geltend machen – keine Kirche, keine Konfession, keine politische Partei.

An Weihnachten neigte sich der Himmel herunter, um sich mit der Erde zu verbinden. Die geistige Welt wollte eins werden mit der physischen. Friede, Harmonie, Wohlstand sollte einkehren in unser zerrüttetes, mühseliges, qualvolles und mitunter grausames Leben. Aber wir Menschen müssen das auch wollen. Es wird uns nicht aufgezwungen. Wir sollen bewusst, gerne und mit Freuden unseren Beitrag dazu leisten. Wir sollen geben, was wir geben können, am besten uns selbst.

Heute finden wir in unseren Breiten viele Lichter, die uns aber eher von der Suche nach dem Licht für die Welt abhalten als hinführen. Von meinem Wohnort bis zur nächsten Bezirksstadt Waidhofen (6 km) zählte meine Frau bei einer abendlichen Autofahrt 26 illuminierte Christbäume. Immer mehr Lichterbäume, immer mehr elektrische Weihnachtssterne und Girlanden in den Einkaufsstraßen, immer mehr Punschhütten auf den Adventsmärkten, immer mehr Weihnachtsbäckerei noch lange vor dem Fest, immer mehr Kerzen, immer mehr Spielzeug, immer mehr Schafwollsocken und Früchtebrot. Alles und jedes – immer mehr, auf Raten, mit Kreditkarte oder überhaupt später zu bezahlen.

Die Adventszeit scheint nicht mehr jene Zeit zu sein, in der man auf etwas wartet, das für unsere Erlösung und Heilung wichtig sein könnte. Im besten Fall ist diese Zeit eine Besinnung, eine Rückbesinnung auf die Geburt Christi, auf das liebe Jesuskind in einer Futterkrippe in einem Stall bei Ochs und Esel. Es ist eher Erinnerungsfeier als die Zeit einer konkreten Erwartung. Wenn wir selber den Samen für einen Baum in die Erde senken, wünschen wir dann, dass er immer dieser Same bleibt oder bestenfalls ein kleines Pflänzchen? Wenn Gott seinen Samen des neuen Menschen in diese Welt senkt, erwartet er sich dann, dass wir immer wieder und hauptsächlich an dieses kleine Baby denken?

Und würden wir heute den Menschen sagen, dass wir bereits den zweiten Advent hinter uns haben – wer würde uns glauben? Das würde ja heißen, dass der Messias wieder gekommen ist, dass der Sinn allen Adventes erfüllt wäre. Nun liegt es an uns, seinen Samen in uns aufzunehmen und zum Wachsen zu bringen.
Im 17. Jahrhundert hat der aus Breslau stammende Arzt, Theologe und Dichter Johannes Scheffler, genannt Angelus Silesius, geschrieben:

Und wäre Christus tausendmal in Bethlehem geboren,
und nicht in dir: Du bliebest doch in alle Ewigkeit verloren.
Unser Herz ist es, in dem die Wahrheit und Liebe Gottes geboren werden und Wurzeln schlagen sollen. Wir als seine Söhne und Töchter, als seine Familien sind es, die den Nährboden bilden und Gottes Reich errichten sollen.


Die allerersten Christen, jene Handvoll Menschen, die den Samen des zweiten Israel bildeten und in winzigen Gruppen über das Römische verstreut waren, waren von der Erwartung durchdrungen, dass ihr Herr, Jesus Christus, bald wiederkommen werde. Im ersten Korintherbrief findet sich der aramäische Ruf: Marana tha – Unser Herr, komm! Sie spürten in ihren Herzren, dass das nicht alles gewesen sein kann, dass da noch etwas fehlt, dass da noch eine Aufgabe wartet, die vom Messias in Angriff genommen und gelöst werden kann. Dies ist aber nur möglich, wenn er den nötigen Widerhall, die Resonanz und Akzeptanz, die Mit- und Zusammenarbeit von uns findet. Jeder von uns ist das Bethlehem, in dem der Messias geboren wird, in dem er eine Heimat findet, in dem er wachsen kann, in dem der Weltfriede beginnt.

Über die wahre Bedeutung von Weihnachten sagte Rev. Moon in einer Rede 1997:

„Wenn Jesus schon von Geburt an anerkannt worden wäre als Sohn Gottes und als der lang ersehnte Messias, dann wären alle Fürsten der 12 Stämme in einen Wettstreit getreten, ihm noch in seiner Kindheit und Jugend zu dienen. Schon von Kindheit an hätte Jesus gewusst, dass er der Sohn Gottes war und dass es seine Aufgabe gewesen wäre, König der Könige zu sein, der das Reich Gottes auf Erden errichten würde. … Machen Früchtekuchen und Eiscreme ein fröhliches Weihnachten? Weihnachten ist die Feier der Geburt des Sohnes Gottes. Aber ohne den Zweck Gottes für sein Kommen zu verstehen, kann es keine echte Weihnachtsfeier geben.“


Und an anderer Stelle erklärt er:

„Gott wollte die Welt retten, selbst wenn er dafür seinen Sohn opfern musste… Für eben diesen Zweck setzte Gott das Christentum ein – die Welt zu retten. In der Bibel heißt es bei Joh 3,16: „Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat.“ Bedenkt, die Welt ist Gottes Ziel. Und so wie Jesus freiwillig sein Leben hingab, damit die Welt leben kann, so möchte Gott, dass sich alle Christen freiwillig für die Rettung der Welt hingeben. Doch heute haben die Christen dieser Welt nicht einmal den Schimmer einer Ahnung, wie sich Gott in Seinem Herzen wirklich fühlt.“


Jesus ist jener kostbare Same, auf den Gott 4000 biblische Jahre hingearbeitet hat. Dieser Same ist durch nichts austauschbar. Er ist für Gott wertvoller als die ganze Nation Israel, oder jede andere Nation dieser Welt. Obwohl Jesus in sein Eigentum kam, haben ihn die Seinen nicht akzeptiert. Ganz im Gegenteil: sie haben ihn abgelehnt und unschädlich gemacht. Laut den Evangelien hat Jesus sich selbst als die Tür bezeichnet, durch die die Menschen eintreten können in das von Johannes und ihm verkündete Reich Gottes. Er öffnet einen Bereich, der vor dem Erscheinen des Messias für niemand zugänglich war. Er zeigt uns zunächst durch seine Person, durch sein Leben, durch sein Engagement den Weg dorthin. Gehen müssen wir ihn schon selbst, wir werden eingeladen, durch diese Tür einzutreten. Eine Hintertür gibt es nicht.

Ein reicher junger Mann fragte ihn einmal, was er tun müsse um das ewige Leben zu haben. Jesus zählt ihm zunächst auf, was ihm von der Thora her bekannt sein musste. Der junge Mann beteuerte, dass er all das von klein auf befolgt habe. Darauf gab Jesus zur Antwort: Eines fehlt dir noch: Verkaufe alles was du hast, gib das Geld den Armen, dann komm und folge mir nach. Nicht das Befolgen bestimmter Gebote ist der Schlüssel zum Himmelreich, sondern die Nachfolge Jesu, der Eintritt durch diese Tür.

Paulus schreibt in seinem ersten Brief an die Gemeinde von Korinth:

Wenn ich in den Sprachen der Menschen und Engel redete, hätte aber die Liebe nicht, wäre ich dröhnendes Erz oder eine lärmende Pauke. Und wenn ich prophetisch reden könnte und alle Geheimnisse wüsste / und alle Erkenntnis hätte; wenn ich alle Glaubenskraft besäße und Berge damit versetzen könnte, hätte aber die Liebe nicht, wäre ich nichts. Und wenn ich meine ganze Habe verschenkte und wenn ich meinen Leib dem Feuer übergäbe, hätte aber die Liebe nicht, nützte es mir nichts.


Als Gandhi als junger Rechtsanwalt in Südafrika tätig war, hat ihn bei einer Veranstaltung ein Christ, ein Mitglied der Plymouth-Brothers, angesprochen und gemeint, dass „ihr Hindus schon arme Hunde seid. Wir Christen können all unsere Sündenschuld auf Jesus Christus werfen, ihr aber müsst ein Leben lang damit herumlaufen.“

Gandhi gab ihm zur Antwort: „Wenn das die Ansicht aller Christen ist, dann kann ich niemals ein Christ sein. Denn es geht mir nicht darum, meine Sündenschuld auf jemand anderen abwälzen zu können, sondern darum, den Zwang zu sündigen los zu werden.“

Demnach geht es nicht um die intellektuelle Erkenntnis eines Glaubenssatzes und die Bereitschaft, diesen anzuerkennen, sondern dass wir Gottes Wahrheit und Liebe verkörpern. Jesus hatte nie gesagt, dass er die Wahrheit wüsste, sondern das er sie sei.

Ich kann mir denken, dass den meisten Menschen des abendländischen Kulturkreises schon bewusst ist, dass all der Rummel und diese Gebräuche um dieses Fest der Geburt Jesu gilt. Doch wie jeder Mensch, wie jedes Lebewesen, wächst auch das Jesuskind heran, wird zu einem Mann, der seine Aufgabe erkennt und sie wahrnimmt: Nämlich der Menschheit den Frieden zu bringen, sie einzuladen und zu motivieren, an der Errichtung der wahren „Family of Men“ mitzuwirken.

Die Lichter, die zur Advent- und Weihnachtszeit aufleuchten, sind noch nicht das Feuer, das unsere Herzen entflammt. Aber sie zeugen von einer verborgenen Sehnsucht, die noch ungestillt in vielen Menschen schlummert. Noch muss Gottes Sehnsucht in uns neu geboren und zu vollem Leben erweckt werden.

Der deutsche Schriftsteller Karl Heinrich Vogel beendet seine Geschichte über den Advent:

Denn wie ist es in Wahrheit liebe Freunde? Leben wir nicht in einer Weltzeit des Advent? Scheint uns nicht alles von der aufkommenden Finsternis bedroht zu werden, das karge Glück unseres Daseins? Wir warten bang auf den Engel mit der Botschaft des Friedens und vergessen so leicht, dass diese Botschaft nur jenen gilt, die guten Willens sind. Es ist kein Trost bei der Weisheit der Weisen und der Macht der Mächtigen. Denn der Herr kommt nicht zur Welt, damit die Menschen klüger, sondern damit sie gütiger würden. Und darum sind es allein die Kräfte des Herzens, die uns vielleicht noch einmal retten können.


Ich wünsche euch und uns, allen Menschen hier und anderswo die Erkenntnis im Herzen, dass die Zeit des Wartens zu Ende ist, dass sich die Hoffnung erfüllt, dass der Baum des Lebens in unsere Herzen gepflanzt ist und der Friede, auch wenn die Zeichen der Zeit auf Sturm stehen, zunächst unsichtbar im Dunkel der Erde Wurzeln schlägt. Nun liegt es an uns, dass er sich ausbreitet.

In diesem Sinne ein gesegnetes Weihnachtsfest!


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